Einzug ins Paradies

Das Seminar ist...naja sagen wir mal vom fachlichen her so langweilig wie man es sich nur vorstellen kann. Irgendwie wird viel geredet und doch nicht so viel erklärt, wie das halt immer so ist bei so Seminaren :DInteressant wird’s eigentlich dann wenn wir uns mit unserer Abteilung zusammen hocken und darüber reden wie die Bewirtung hier abläuft. Alles ein bisschen anders als ich es bisher gesehen habe aber auf jeden Fall freue ich mich drauf mal so eine Erfahrung zu machen. Für mich ist es hauptsächlich interessant die anderen 7 Leute kennen zu lernen mit denen ich die nächsten Monate in der Benmore Station wohnen werde. Während des ersten Tages waren alle noch ein bisschen verhalten, aber nach dem Abendessen wenn das Bier und der Wein erst mal fließen wird die Sache schon lockerer. Man lernt sich kennen, lacht zusammen und freut sich auf die bevorstehende Saison. So im großen und ganzen scheint das hier eine gelungene Truppe zu sein. Nicht nur die Leute mit denen ich zusammen ziehen werde sondern einfach alle die sich hier Tag für Tag wieder treffen werden um das Resort am laufen zu halten. Am Ende des zweiten Tages geht’s dann los, vom Fuße des Berges geht’s direkt ins neue Heim. Auf der Heimfahrt habe ich Garry als meinen Beifahrer. Garry, eigentlich Gershon kommt eigentlich aus der Schweiz, ist in München geboren, seine Mum ist aus Canada mit Amerikanischen Wurzeln und sein Dad kommt aus Bulgarien...also ich glaub zumindest dass es irgendwie so in die Richtung war. Auf jeden Fall verstehen wir uns auf der Fahrt zum Haus auf Anhieb so gut dass es außer Frage steht, wer mein Zimmerkollege wird. Es ist schon irgendwie lustig wie einfach alles läuft. Jeder ist damit einverstanden, dass Lena als erstes ihr Zimmer und ihren Zimmergenossen aussuchen darf und dann läufts wie von selbst. Nachdem wir unsere Sachen ins Haus geholt haben wird erst mal Musik aufgedreht, es dauert auch nicht lange bis Hans unser einziger Kiwi im Bunde seine Gitarre raus holt und einen Sound durchs Wohnzimmer schmettert dass man fast meinen könnte Jack Johnson persönlich würde ein Livekonzert nur für uns geben. ☺ Nachdem das Feuer in unserem Monsterofen richtig läuft, nehmen wir uns die Zeit uns alle ein bisschen besser kennen zu lernen und hocken uns noch auf ein paar Bierchen zusammen. Bei der Gelegenheit ergibt sichs, dass jeder nach und nach ein Paar Sachen ans Tageslicht bringt die diese WG prägen werden. Mark zum Beispiel ist von oben bis unten tätowiert und bringt erst mal sein heißgeliebtes Downhillbike in eine sichere Ecke in Lenas und Nicks Zimmer, dass dadurch dass es das größte von allen ist schnell zu einer, na sagen wir mal Abstellkammer für Sportgeräte wird. Nach drei Wochen findet sich eine nette kleine Privatsammlung mit nicht weniger als dem besagtem Fahrrad, 5 Snowboards (3 davon hat ein etwas verrückter Naturverliebter Hippi aus Californiern eingeflogen), einem Pennyboard, einer kompletten Windsurfausrüstung und einem normalen Skateboard in unserm Fort Knox. In der kleinen Küche findet sich schnell ein Platz für einen Spätzlehobel mit dem Max seit geraumer Zeit durch Australien und Neuseeland zieht und ein bisschen Bayrische Kochkultur auf den Inseln verbeitet. Flo hat ein Schachbrett dabei, das noch am selben Abend eingeweiht wird. Ich habe von den ganzen Backpackern mit denen ich auf dem Campingplatz gewohnt hab ein paar Nerfguns, Magic Karten und Jonglierbälle abstauben können die sich gut im Wohnzimmer machen für einen guten Zeitvertreib. Nick schmeißt noch ein paar Magicgloves in die Runde, mit denen er gerne mal durch einen Rave zieht und ein paar Lichtshows verteilt. Von Garry und Lena kommt so vieles aber das wohl wichtigste was die beiden in die WG mitbringen ist der lustige jugendliche Leichtsinn ☺ Irgendwie schön wie unbeschwert alles läuft. Als wir in unsere Betten hüpfen macht jeder einen glücklichen Eindruck auf mich. Tags drauf fahre ich mit Nick in die City um ein paar Einkäufe zu erledigen. Mit zwei Einkaufswägen geht’s durch den Supermarkt der eigentlich mehr ein Großmarkt ist. An der Kasse tippen wir drauf wie hoch denn die Rechnung sein würd und verschätzten uns beide...Am Ende lesen wir einen Betrag von über 500 $ von dem kleinen LCD Display ab, noch bevor ich überhaupt meinen Geldbeutel zücken kann hat Nick seine Karte schon durchgezogen, grinst mich an und sagt „Der erste geht auf mich!“ Und ich glaube das war ein entscheidender Zug der das ganze Leben der Benmore Station von allen anderen WGs unterscheiden wird.

13.3.18 05:50, kommentieren

Everybody was a Vagabound

Mittlerweile wohne ich seit über einer Woche in dem Hostel, anfangs kam ich mir noch ein bisschen komisch vor, einfach so hier zu parken, zu duschen und die Küche zu nutzten ohne etwas dafür zu bezahlen, aber wie schon gesagt, man gewöhnt sich an alles, außerdem denke ich mir dass man alles mal ausprobieren muss. Wer weiß wie lange ich überhaupt noch in Christchurch bin. Wie das Leben nun mal so spielt, kommt’s dass ich mich mit dem ganzen Personal (das nur aus Backpackern besteht) und auch den anderen Gästen des Hostels so gut verstehe, dass ich nach zwei Wochen dann doch mal den Geldbeutel aufmache und einen gut ausgefeilschten Mietpreis bezahle. Die Tage hier in Christchurch vergehen eigentlich nicht besonders anderes als sonst wo auf dieser Welt wo Leute in einem Haus zusammen wohnen die tagtäglich arbeiten gehen. Morgens gibt’s nen Kaffee und ne Zigarette, dann geht’s ab in die Arbeit, zum Mittagessen und das ist das praktische wenn man einen Van mit eingebauter Küche hat, gibt’s jeden Tag was frisch gekochtes. Auf der Baustelle sind wir meistens nur zu viert. Craig unser Abrissmeister im Bagger, er bringt die Wände des Gebäudes zum Einsturz bevor Mag und ich uns dann dran machen den Schutt zu sortieren bevor er von Paul unserem Lasterfahrer mit Lemmybart abgeholt wird. Eisen und Aluminium wird verkauft, das ist im Endeffekt das Geld das rein kommt um uns Backpacker zu bezahlen. Alles was aus Stein ist wird von unserem Lemmy abgeholt um dann am Hafen den Dock aufzuschütten. Alles was übrig bleibt, also Holz, Isolierung, Plastik und der ganze kram wird wie bei uns auch dafür hergenommen um Landlöcher zu füllen. So einfach ist das. ☺Abends lernt man dann die anderen Leute im Hostel besser kennen. Es wird viel Karten gespielt meistens Uno, was mit einer runde von 3 anfängt endet oft in einer regelrechten Schlacht mit 8-10 Leuten. Die meisten die hier leben sind mindestens für einen Monat oder noch länger hier, nach und nach entsteht schon fast so etwas wie ein Kommunen leben. Am besten sind die Abendessen. Einige von uns gehen gerne mal angeln und wenn sie dann mit den Fischen zurück kommen wird für alle gekocht und gemeinsam an einer großen Tafel gegessen. Es fühlt sich einfach gut an. Wie eine große Familie sitzen wir alle zusammen, keiner von uns schaut auf sein Handy oder ist irgendwie abgelenkt, alles dreht sich ums Essen, um die Leute die mit einem am Tisch hocken und um die Gemeinschaft. Es ist einfach schön Teil eines so großen Teams zu sein. Die zwei Leute mit denen ich mich wohl am besten verstehe sind Richard und Sam, beide Franzosen. Richard ist eher der Badboy und Sam...ein meisterhafter Koch der immer für ein gutes Gespräch zu haben ist. Die meisten Leute hier sind entweder aus Frankreich oder Deutschland und alle verstehen sich bestens miteinander. Wir machen hier und da mal einen großen Ausflug, ob zum angeln ans Meer oder zum relaxen an die Heißen Quellen von Hamner Spring. Mal spielen wir Volleyball im Garten, wieder ein andres mal wird ein bisschen gedantelt wenn wir beim rauchen zusammen stehn. Ich glaube auch das ist mit ein Grund warum ich nicht wirklich viel geschrieben habe seitdem, denn was ist den an der großen und allgemeinen Situation schon so interessant dass es recht viel anders wäre als daheim? Alle sind hier um eine gute Zeit zu haben und das ist es was uns alle miteinander verbindet. Wir sind alle hier um zu leben! Und wie könnte das Leben mehr spaß machen als wenn man es mit anderen teilen kann? ☺ Nach drei Wochen des dreckwühlens auf der Baustelle ist es an der Zeit good bye zu sagen. Übers Wochenende ist das Einstiegsseminar für das Skiresort. Ich werde die Leute kennen lernen mit denen ich die nächsten drei Monate Arbeiten, leben und Party machen werde. Ich habe mir im Vorfeld schon mal Zeit genommen ein paar der vorgeschlagenen Wohnungen von unserem Manager anzusehen und mich für die Benmore Station entschieden, ein kleines gemütliches Hüttchen auf einem Bauernhof mitten im nirgendwo. Genau das richtige für ein bisschen Ruhe und Erholung wenn einem danach ist. Ich packe also meine 7 Sachen zusammen und verabschiede mich von meiner Familie im Hostel, ich bin nicht der einzige der auf dem Sprung ist, irgendwie ist gerade eine dieser Zeiten in der sich alles ein bisschen im Wandel befindet, ein paar Leute sind auf dem Sprung nach Hause, andere reisen weiter und wieder andere bleiben um die nächsten Familienmitglieder des Vagabound Hostels zu begrüßen. Aber für mich geht’s erst mal in Richtung Berge ☺

11.2.18 13:31, kommentieren

Auf nach Christchurch

In den letzten zwei Wochen in denen ich auf der Diary Farm die Kühe über den Laufsteg gescheucht habe, war mein Tagesablauf eigentlich ziemlich geregelt. Nach dem Frühmelken gings entweder nochmal ins Bett oder je nachdem wie spät es war gleich weiter in die nächste Ortschaft wo ich mir in einem kleinen Café direkt gegenüber der Bücherei und somit freiem Internet eine Kaffeekarte gekauft habe. Ich hatte mein Vorstellungsgespräch für eines der Skiresorts und naja was soll ich sagen...mit nem scheiß Gefühl geht’s meistens gut aus, das war damals in der Schule nichts anderes. ☺ Zum duschen geht’s entweder in den Fluss oder ich fahr ein bisschen weiter zum Flughafen. Da gibt’s gleich zwei Möglichkeiten eine kostenlose Dusche abzustauben wie ich von den anderen Backpackern erfahren habe. Anscheinend kann man sich im Flughafen auf den Behindertentoiletten gemütlich Zeit lassen und das scheint auch ganz normal zu sein, aber ich bevorzuge dann doch die andere Möglichkeit des Juicy Hostels. Beim ersten mal wars noch ein bisschen komisch in ein Hostel zu gehen nur um eine Dusche abzustauben, aber man gewöhnt sich ja an alles. Also spaziere ich durch den Eingang an der Rezeption vorbei, mal mit dem Handy am Ohr, mal lässig mit nem Päckchen Nüssen am oder ner Banane am essen. Alles ganz natürlich halt. Naja wie dem auch sei nachdem ich mich dann fast einen ganzen Monat auf dem Campingplatz verbracht habe und einen Haufen Backpacker auf ihrem Weg nach Hause begleitet habe bin ich dann endlich wieder flüssig und kann mich auf den Weg in die Stadt machen. Auf der Farm wurde mir ja viel Arbeit versprochen aber letzten Endes komme ich auf nicht mehr als 5 Stunden am Tag. Nachdem ich also meinen erstes Gehalt seit Monaten ausgezahlt bekomme mache ich mich noch am gleichen Tag auf den Weg in die Stadt um eine der Arbeitsvermittlungen zu besuchen die mir bereits einige Leute empfohlen haben. In der Zwischenzeit habe ich auch die Zusage von dem Skiresort bekommen also ist im Endeffekt alles nur ein Überbrückungsplan bis der Winter endlich kommt. keine zwei Tage und ich habe meinen ersten Job, zwar nur für zwei Tage zum aufräumen einer Baustelle aber immerhin ein guter Anfang. Eigentlich geht’s nur darum bei einem Neubau die verloren Schrauben und das liegengelassene Holz auszusortieren. „Alles wegschmeißen!“ Sagt der Vorarbeiter... Naja eigentlich will ich ja meinen Van ein bisschen umbauen und da können ein paar Schrauben nicht schaden. Also schmeiße ich weg was ich nicht brauchen kann und nehme mir mit was mir später dabei hilft meine Lucy etwas gemütlicher zu gestalten. Und dann kommt eh schon das Wochenende. Am Sonntag kommt ein Anruf von OneStaff meiner Vermittlungsagentur. Es gäbe da einen Job beim Abriss eines vom großen Erdbeben beschädigten Hauses bei dem sie meine Hilfe brauchen könnten. Na geht doch ganz einfach. Am Montag bin ich pünktlich um 7:30 bei der besagten Baustelle. Mit mir fängt noch ein anderer Backpacker an. Wir verstehen uns ziemlich gut und unterhalten uns über die Unterkünfte in Christchurch. Er meint dass in dem Hostel in dem er ist sowieso keiner einen Überblick hat was genau da abgeht und wer da wo wohnt, also komme ich einfach mal mit und ohne es jetzt zu wissen wird dieses Hostel für die kommenden zwei Monate mein zu Hause sein.

11.2.18 13:30, kommentieren

Endlich eine Arbeit :D

1.5.-10.5. oder so ungefähr.... Nachdem ich meine Schwester am Flughafen in Christchurch abgesetzt habe, gings für mich weiter eine halbe Stunde südlich von der Stadt habe ich auf Campermate einen free Campground gefunden. Um 5 Uhr Morgens komme ich an und falle müde ins Bett. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht weis, dass dieser Campingplatz für einen Knappen Monat mein zu Hause sein wird. Die ersten zwei Tage verbringe ich Hauptsächlich damit den Van ein bisschen zu organisieren, jetzt wo ich mehr Platz habe um mich auszubreiten, gleichzeitig versuche ich weiterhin einen Job zu bekommen. Ich gebe mir selbst eine Woche um etwas zu finden bevor ich mich an eine Arbeitsvermittlung wende oder noch weiter in den Süden fahre. Ich habe einen relativ guten Platz gefunden um Lucy zu parken. Nicht zu weit weg von den Toiletten und auch nah genug bis zum nächsten Mülleimer. Unterm Tag fahre ich gerne mal in die nächste Ortschaft um mir einen Kaffee zu gönnen und dabei meine Bewerbungen rausschicke während ich gleichzeitig den Laptop für den Abend auflade um Filme zu schauen, wobei ich relativ wenig Filme schaue, gibt es doch hier draußen jeden Abend ein Spektakel am Himmel das mindestens genauso unterhaltsam ist. Der Sternenhimmel hier so fernab vom Schuss ist einfach gewaltig. Die Milchstraße zieht ihren langen Bogen einmal über den Kompletten Nachthimmel. Ich habe immer geglaubt viele Sterne gesehen zu haben als ich damals auf dem Jakobsweg unterwegs war, aber das was sich hier jeden Abend abspielt ist der absolute Hammer. Unzählige kleine Lichter leuchten beleuchten die schwarze Decke der Nacht einige von ihnen flimmern, die anderen strahlen in grellem hellem weiß und wieder andere sind schwache lichter in der Ferne. Gigantisch!Wie es so kommen muss, habe ich irgendwann die Schnauze voll davon eine dumme Bewerbung nach der anderen für irgend einen dummen Job als Supermarktkassier oder was auch immer raus zu schicken. Auf dem Weg zu meinem Stammcafé bin ich die letzten Tage an so vielen Bauernhöfen vorbeigefahren, da wird bestimmt einer dabei sein der ein bisschen Hilfe gebrauchen kann. Außerdem könnte ich dann weiterhin auf dem Campingplatz wohnen falls ich dort nicht unterkommen kann. Noch am selben Abend als ich den Entschluss fasse mich erst mal in der nächsten Umgebung nach einem Job umzuschauen, freunde ich mich mit meinen Nachtbarscampern an. Julez und Leon aus dem Schwabenlande und Lisl die Wienerin, ein komisches aber lustiges Dreiergespann. Sie haben noch eine Woche bevor sie ausreisen und wie der Zufall so spielt Verbringen wir diese Woche mehr oder weniger gemeinsam. Unterm Tag bin ich auf Jobsuche und werde nach etlichen Absagen endlich fündig. Auf einem Bauernhof, der etwas verlassen aussieht, weil es im Endeffekt wie ich später erfahren sollte nur eine Melkstation ist, unterbreche ich gerade den Vorarbeiter mit einem seiner Angestellten in einem Gespräch. Erst werde ich komisch angeschaut als hätte ich mich irgendwo verlaufen, aber als ich dann nach einem Job frage, fangen die Augen der beiden zu glitzern an, sie hatten sich gerade darüber unterhalten, dass sie für die nächsten Wochen Verstärkung im Team benötigen und so kommt es dass ich nach über einem halben Jahr zum ersten mal wieder einen bezahlten Job habe. Ich soll am nächsten Tag um 5 Uhr Morgens wieder kommen, dann geht die Arbeit los. Lustiger weise habe ich auf dem Weg zu der Farm ein Auto am Wegrand gesehen, das mir ziemlich bekannt vorkam. Als ich dann Abends wieder zurück am Campingplatz bin erzählen mir die andern drei von ihrem heutigen Abenteuer und dass sie das Auto jetzt wahrscheinlich nicht mal mehr an andere Backpacker verkaufen können, sondern dass es auf dem Schrottplatz enden wird. Sie nehmen es mit Humor und meinten noch dass ich mir alles rausnehmen kann was ich vielleicht mal gebrauchen könnte. Und so kommt es dass ich mir nach und nach mehr Dekoration für meine Lucy zusammen schnorre. Ich weiß ja dass ich morgen früh raus muss aber irgendwie ist es nach zwei Abenden schon zum ritual geworden, dass wir zusammen kochen, uns dann in den Van verziehen weil es draußen zu kalt wird und uns da zu einer guten Obstplatte noch einen guten Film und ein zwei gute Nacht Zigarettchen reinziehen. ☺ Der Wecker klingelt, es ist 4:30 am Morgen und weils hier jetzt gerade Winter wird ist es nicht nur verdammt früh, sondern auch verdammt kalt. Irgendwie schaffe ich es dann doch mich aufzurappeln, die Zähne zu putzen und mir für die 5 Minuten Fahrt bis zur Melkstation noch ein Kippchen in die klappernden Zähne schmeiße. Chris mein Boss hat mir eine Jogginghose und Gummistiefel mitgebracht. Ganz nach dem Motto dass ich meine eigenen Sachen nicht dreckig machen muss, zuerst habe ich noch geschmunzelt aber zwei Stunden später weiß ich dann was er damit gemeint hat. Ich weiß nicht wer von euch schon mal in so einer kommerziellen Melkanlage war aber im Endeffekt lassen sich die Fakten leicht zusammenfassen. Es ist wie ein Catwalk für Kühe. In der Mitte eine Grube, in der die Saugnäpfe von der Decke hängen und rechts und links davon sind Gänge die gerade groß genug sind damit die Kühe durchgehen können. Sobald alle Kühe in Position sind kann das große Melken beginnen. Ein paar Kühe sind mit einem orangenen und ein paar mit einem Grünen Band markiert, orange steht für die vordere Zitze, grün für die hintere (diese werden dann nicht gemolken) und je nachdem ob das band am rechten oder linken Bein ist weis man dann auf anhieb was abgeht. Was man sich jetzt so einfach vorstellen kann, ist in Wirklichkeit höchste Konzentrationsarbeit. Egal was man gerade macht, man muss immer aufpassen was die Kühe um einen rum machen und sobald eine anfängt ihren Schwanz zu heben, geht man am besten so schnell man kann in die andere Richtung bevor man sich dann kurz danach einen der Feuerwehrschläuche (die in gewählten Abständen zwischen den Saugern von der Decke hängen) schnappt um die Sauerei weg zu spritzen. Wenn das ganze Spektakel dann vorüber ist, kommen die großen Feuerwehrschläuche zum Einsatz, dass war mein Lieblingspart an dem Job, denn dann hieß es für eine halbe Stunde „Wasser marsch!“. Wenn dann alles wieder sauber ist, zieht man sich Handschuhe und das Ganzkörperkondom wieder aus, wascht sich die Hände, freut sich über den Sonnenaufgang, trägt sich ins Stundenblatt ein, wechselt die Klamotten und fährt zurück zum Campingplatz um nochmal ein paar Stunden zu schlafen oder es geht gleich weiter in die Stadt um sich da einen Kaffee zu holen. Und das Beste an der ganzen Sache ist, dass es am Nachmittag wieder von vorne los geht...Jippie!! :D Die nächsten Abende verbringe ich noch mit den anderen, bis dann der Tag kommt an dem sie ihr Auto zum Schrotthändler bringen und ich sie von dort aus gleich nach der Arbeit abhole um sie zum Flughafen zu fahren. Sie haben sich noch ein bisschen Gras gekauft, dass sie mir als kleines Dankeschön für den Taxiservice und diese letzte gemütliche Woche in Neuseeland da lassen. Wie das immer so ist wenn man sich von Leuten die man unterwegs kennen gelernt hat verabschiedet, gibt es ganz verschiedene Situationen, die einen möchte man nicht mehr sehn, die anderen möchte man nicht gehen lassen und bei wieder anderen ist man sich sicher, dass man sich immer zweimal im Leben sieht. Dieser Abschied hier gehört zu der letzteren Kategorie. Ich bin mir ziemlich sicher dass ich mich mit diesen Chaoten auch in Deutschland noch einmal auf die guten alten Zeiten in Neuseeland auf eine Bierverkostung und ein paar gemütliche Stunden in einem Park oder vielleicht sogar einem Van zusammen hocken werde.

11.2.18 13:26, kommentieren

Wie oben so auch unten...oder wia war des?

17.04.- 30.04Nach einer windigen zweieinhalb stündigen Überfahrt kommen wir ausgeruht aber immer noch müde in Napier im norden der Südinsel an und machen uns erst mal auf die Suche nach einem gemütlichen Café zum Frühstücken. Nachdem wir uns um unser leibliches Wohl gekümmert haben sind wir dann auch bereit uns wieder auf den Weg zu machen. Ich habe von ein paar anderen Backpackern gehört dass es in Blenheim, nicht weit von hier immer Arbeit auf den Weinfeldern gibt. Also ist es nur fair da mal mein Glück zu probieren, ich könnte mir eine Bleibe suchen und meine Schwester kann derweil ein bisschen allein weiter reisen und die Natur auf eigene Faust erkunden. Bei den ersten beiden Weinbauern bei denen ich nach einem Job frage bekomme ich eine Absage. Von einer anderen Quelle erfahre ich dann dass es erst in etwa 3 Wochen wieder richtig los geht und Leute gebraucht werden. Also heists wohl erst mal weiterreisen. Warum nicht die Zeit genießen die wir noch zusammen haben und später wieder zurück kommen wenn das mit der Jobsuche wieder leichter wird. Ramona hat sich die letzten Tage gründlichst mit dem Lonely Planet für Neuseeland auseinander gesetzt und eine schöne Route geplant die uns für die Zeit bis zu ihrem Rückflug nach Deutschland auf der Strecke hält. Über den Norden der Südinsel, vorbei am Golden Bay geht unser Weg über die Westküste nach unten zu den Gletschern. Der Straßenbau hier ist etwas anders als wir ihn aus Deutschland kennen, da gibt’s nicht mal ne kleine Zwischenstraße die zwei Hauptstraßen miteinander verbindet, wenn man sich für einen Weg entscheidet, dann bleibt es für die nächsten paarhundert Kilometer auch genau der Weg! Es gibt zwei Möglichkeiten wie wir uns den Weg hinunter an der Westküste gestalten können, bei dem einen sind wir zwar etwas schneller und fahren durchs Landesinnere, die andere Strecke führt direkt an der Küste entlang, vorbei an den berühmten pancake rocks. Eigentlich nur um einen Blick auf diese wie Pfannenkuchen aufeinander gestapelten Felsplatten zu erhaschen entscheiden wir uns für den Küstenweg und wie sollte es auch anders kommen, wir fahren volle lotte an ihnen vorbei ohne auch nur das geringste von ihnen mit zu bekommen :D Naja...passiert. Neuseeland hat ja zum Glück noch mehr zu bieten als nur ein Naturspektakel und so genießen wir die nächsten Tage damit die Gletscher und Berge auf der Südinsel zu erkunden bevor unsere Reise wieder etwas Städtischer wird, nicht zuletzt um vielleicht auf die schnelle doch noch einen Job in einer Stadt in einem gemütlichen Kaffee oder Restaurant zu finden in dem ich für die nächsten Monate bleiben könnte. Weder in Wanaka noch in Queenstown kommen wir in dieser hinsicht auf unsere kosten, aber zumindest sind es zwei schöne Städte die es wert sind ein zwei Tage da zu bleiben und das Leben hier zu genießen, Queenstown ist ziemlich geschäftig, eine richtige Touristenstadt mit einem großen See an dem man sich mal den ein oder andern Kaffee gönnen kann. Wanaka hingegen ist sozusagen ein kleines etwas weniger hektisches Queenstown, genau wie die große Stadt auch an einem See gelegen ist es hier ruhiger und die Atmosphäre ist im allgemeinen etwas gechillter. Die Leute machen einen glücklicheren Eindruck und scheinen etwas gelassener zu sein.Wie dem auch sei. Wir verbringen viel Zeit damit uns unseren Weg durch das leben hier zu schlagen und schneller als wir schauen können ist es dann auch soweit dass wir am Ende des Monats angekommen sind. Bei einem letzten Bier, ziemlich genau dem ersten dass wir uns in einem Supermarkt gekauft haben sitzen wir auf einer Parkbank, genießen den Sonnenuntergang und machen das was wir die letzten Tage am besten gekonnt haben, wir lassen uns von Mark Uwe Kling die Story von ihm und seinem Känguru durch die kleinen Lautsprecher auf uns einprasseln. Auch wenn wir vielleicht nicht immer viel zu reden hatten, hatten wir eine unglaublich schöne Zeit miteinander und ich bin Froh dass mich meine kleine Schwester ein bisschen auf meinem Weg begleitet hat. Wie heists so schön, man muss auch mal gemeinsam schweigen können um zu wissen was man an einander hat. Unter diesem Motto machen wir uns auf dem Weg zum Flughafen, holen uns noch ein letztes Subway Sandwich und ein letztes gemeinsames Bier, dann ruhen wir uns noch ein bisschen in unserem gemütlichen Wohnzimmer aus und bald scheppert dann auch schon der Wecker der uns unsanft sagt dass es schön langsam Zeit wird sich von einander zu verabschieden. Nachdem ich meinS Schwesterherz um halb 4 Uhr Morgens am Flughafen Christchurch abgesetzt habe mache heißt es für mich nochmal 30 Minuten Autofahrt bis ich an einem freien Campingplatz etwas südlich von Christchurch ankomme und mein Nachtquartier zum ersten mal nach zwei Monaten wieder alleine aufschlage.

16.10.17 11:16, kommentieren