Die Farm des Franzosen

20.03.-25.03Pünktlich um 5 Uhr morgens erreichen wir mit unserem vollbepackten Bus die Endstation in Kathmandu. Geschlafen hab ich wieder mal eher wenig, zum Glück ist das nichts neues mehr. Hab ja mittlerweile schon so einige Nachtfahrten in Asien mit dem Bus hinter mich gebracht aber so wirklich geschlafen hab ich selten...man könnte das ganze wohl eher so ergründen dass ich mir ab und zu mal kurz die Augen ausgeruht habe. Nachdem wir uns 3 Milchtee in einem Kiosk/Streetfood laden hier am Bahnhof geholt haben und uns der etwas unfreundliche Besitzer darauf hinweist dass er auch ein Hostel besitzt in dem wir gerne einchecken können anstatt auf unseren Anschlussbus zu warten, kommen mir ein paar ebenso unfreundliche Worte über die Lippen, nur so dass er halt nichts davon versteht. Echt krank...schade dass es überall Leute gibt, die einem die Stimmung versauen. Nachdem wir unser Zeug gepackt haben suchen wir uns den richtigen Bus der uns wieder raus aus der Stadt und aufs Land bringt. Das letzte mal bin ich ja um 8 Uhr erst losgefahren, heute sind wir so früh dran, dass wir mit dem ersten Bus um halb 7 stadtauswärts fahren.Passend zur Mittagspause überraschen wir Thomas und seine Mutter bei ihrer Siesta. So früh hätten sie nicht mit uns gerechnet. ☺ Seit meinem letzten Besuch auf der kleinen Farm in Chaughada hat sich einiges getan. Die Kartoffeln, Karotten und der Radi sind geerntet und trocken gelagert, der Kohl ist groß und stark geworden, so dass wir ohne Probleme jeden Tag zwei bis drei Köpfe ernten können, die letzten Fische im Teich haben mittlerweile auch das Zeitliche gesegnet und der Besuch der Verwandten hat nicht nur helfende Hände sondern auch so einiges an Kücheneinrichtung mitgebracht. Das wohl coolste ist, dass die Katze um die sich Thomas teilweise gekümmert hat in der Zwischenzeit Nachwuchs bekommen hat. Drei kleine Babykatzen bringen neues leben in die Bude. Die nächsten 4 Tage die wir hier sind, lassen wir es mit der Arbeit eher ruhig angehen. Es gibt zwar was zu tun, aber nichts was wirklich unbedingt notwendig wäre. Die Tage beginnen wieder mal ziemlich früh. Nach dem Frühstück und den getanen täglichen Aufgaben verbringen wir den Vormittag meistens produktiv im Garten, ein bisschen was ist ja immer zu tun auf so ner Farm. Thomas hat mich gefragt ob ich ihm vielleicht seine Axt schleifen kann, im Gegenzug sorgt er dafür dass der Deckel meines Espressokochers wieder an seinen Platz kommt und fixiert ihn mit zwei Nieten gleich so, dass er nicht wieder abfallen kann. Am Nachmittag ist es jetzt so heiß dass wir nach dem Mittagessen eine Siesta einlegen. Da ich jetzt einen Laptop habe und Thomas ein paar Festplatten vollgestopft mit Filmen zu seinem Hab und Gut zählen kann, kommt die elektronische Unterhaltung in diesen Tagen nicht zu kurz. Bei einer Wanderung zum Picknicken kommen wir an einer Herde Affen vorbei und hören das Brüllen eines Tigers, den wir aber leider nicht zu Gesicht bekommen (anscheinend hat es sich ein Tiger in der ersten Nacht in der wir hier waren für ein Nickerchen auf einem der Bäume auf dem Grundstück gemütlich gemacht). Ich bin gerade dabei die Axt zu schleifen und denke darüber nach dass ich mich schon lange nicht mehr geschnitten habe, also ich mit dem Stein abrutsche und mir die Schneide der Axt über den Finger ziehe. Die gute Nachricht: Die Axt ist jetzt scharf! Tags drauf hat sich Thomas übrigens gedacht dass er mich nicht alleine leiden lassen will und sich kurzerhand beim Holzhacken auch ein bisschen in den Finger gehackt, zum Glück hatte ich noch Klammerpflaster in meinem erste Hilfe Beutel, war echt n sauberer Schnitt! :D Meine Schwester bekommt einen Kochkurs in „How to make Momos“ und die Tage haben alles in allem einen geregelten Ablauf. Wir Jungs kümmern uns um die schweren Sachen und die Mädls kümmern sich um die Felder und die kulinarische Verköstigung. Am letzten Abend den wir hier bleiben wollen zieht ein kleiner Sturm auf. Doch was sich erst als kleiner Sturm angekündigt hat, wird dann zu einem richtigen Orkan. Im oberen Geschoss des Hauses sind noch keine Fenster eingebaut. Vor den Küchenfenstern hängen Planen und das Große Wohnzimmer ist immer gut durchlüftet. Das Problem an diesem Abend war dass Wind und Regen gleichzeitig in einem gigantischen Ausmaß auf das Land niedergeschlagen haben. Kurz bevor der Wind aufgezogen ist haben wir uns dran gemacht, alles sturmsicher zu machen. Fenster zu, Haustür abschließen und dann ab zum essen. Nur haben wir nicht viel Zeit zum essen, der Sturm wird schnell so stark, dass Regentropfen waagerecht durch das Wohnzimmer schwirren. Gleich drauf finden wir uns in einem Kriegsgebiet wieder. Von überall kommt Wasser rein! Die Fenster unten lecken, also in jedem Zimmer die Betten verrutschen, dann läuft das Wasser die Treppe runter, da unter der Treppe Kartoffeln und Karotten gelagert werden nicht unbedingt das beste Szenario. Die Polster von der Wohnzimmercouch waren nur halb in Sicherheit, wo es vor 5 Minuten noch komplett trocken war steht das saugen sich Boden und Polster mit Wasser voll dass die Treppe runter gelaufen ist. Ich komm mir vor wie im Krieg! Die Blitze die dem tobenden Donner folgen haben genug Power um das ganze Tal hell zu erleuchten. Dieses Nepal ist eben immer für eine Überraschung gut. Nachdem wir die Katzen aus der Küche gerettet haben machen wir es uns alle zusammen in Thomas Zimmer gemütlich und sitzen das Gewitter aus. Schaut ganz so aus als würden wir noch ein bisschen bleiben.Den nächsten Morgen nutzen wir zur Schadensermittlung und –bekämpfung. Auf den Feldern schauts besser aus als gedacht. Aber wie hoch der Schaden hier wirklich ist wird die Zeit zeigen. Im Erdgeschoss passt sich eh schon wieder alles nur oben im ersten Stock schippen wir knapp 15 Liter Wasser vom Wohnzimmerboden. Was ein Glück dass hier alles spartanisch eingerichtet ist. Wir entschließen uns beim Frühstücken dazu noch eine Nacht länger zu bleiben um am Nachmittag die Felder wieder herzurichten. Etwas gutes hat das ganze ja auch, zumindest muss jetzt erst mal für ein paar Tage kein Wasser mehr in die Felder laufen, denen geht’s soweit optimalst und am Abend kann man kaum noch was davon sehen, dass gestern wirklich so ein Sturm gewütet hat. Zumindest um die Farm des franzosen nicht. Die anderen Felder und zum Teil auch Straßen sind von dem Unwetter böse erwischt worden. Tja, das ist halt das Problem wenn man das ganze Jahr über nur 3 Sachen anbaut und nicht ein bisschen ökologischen und nachhaltigen Ackerbau betreibt. Während die Nachbarn noch etwas aufgewühlt aber darüf nicht weniger unfreundlich sind, lassen wir den letzten gemeinsamen Abend noch auf 2-3 Bierchen ausklingen und packen schon mal die Sachen für die morgige Abreise zurück nach Kathmandu.

10.5.17 05:44

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