Welcome to the Jungle...

13.03Nach einer langen, ruhigen und erholsamen Nacht wache ich wiedermal ziemlich früh, kurz nach Sonnenaufgang auf. Unsere Gastgeber sind ebenfalls schon wach und so kommts, dass ich zu meiner allmorgentlichen Zigarette einen warmen Milchtee genießen kann während ich beim wachwerden die naheliegenden Gipfel des Himalayas genauer betrachte. Vor allem die steile Spitze des Machhapuchhre macht von hier aus einen gewaltigen Eindruck, fast schon ehrfürchtig zu betrachten wie sie zwischen all den anderen Gipfeln um ihn herum mit ihren Markanten Zügen und der weißen Haube zum Himmel streckt. Da hin sind wir auf dem Weg, zwar nicht bis nach oben aber die Richtung ist die gleiche. Die Vögel pfeifen ein fröhliches Lied während sich die Sonne in aller Ruhe ihren Weg über die Gipfel des Gebirges bahnt. Da unsere Gastgeber immer noch ein bisschen aufdringlich und doch etwas komisch sind, entscheiden wir uns so früh wie möglich aufzubrechen. Nach dem Milchtee geht’s also gleich weiter. In der Wanderkarte des Mardi-Himal-Trecks die wir uns vor ein paar Tagen gekauft haben sind mehrere Gelegenheiten zum essen auf unserer heutigen Route eingezeichnet. Also werden wir das Frühstück einfach auf einen anderen Ort verschieben. Um kurz nach 8:00 Uhr sind wir fertig gepackt und machen uns auf den Vormarsch. Der Weg führt uns zwar aus der Stadt, aber leider ohne dass wir auf ein Restaurant oder etwas vergleichbares stoßen würden. Nach einem kurzen check der Lage entscheiden wir uns gleich auf den Weg zu machen der die beiden Haupttrecks mit einander verbindet. Nicht weit von unserem Standort sollte es ein Hostel oder eine Berghütte geben, bis dahin können wir uns noch ein bisschen mehr Appetit anwandern. ☺ Wir haben ungefähr 1400 Meter Höhenanstieg bis nach Odane Hill vor uns, ein Weg den wir so gewählt haben, da es anderweitig mehr als 2000 an nur einem Tag sein würden. Es geht gleich steil los, der Pfad führt den Berg hinauf, hoffentlich sind wir richtig...hier in der dicht bewachsenen Berglandschaft gibt es zig Wege die alle gleich aussehen und alle in eine andere Richtung führen, nur ab und zu können wir uns dann etwas sicherer sein dass wir auf dem richtigen Pfad sind, dann wenn wir an einer Treppe oder an einem Schrein vorbeikommen, es gibt keine Schilder oder andere Hinweise darauf wo wir hin müssen, also folgen wir einfach unserem Instinkt. Nach einer weiteren Stunde sind wir mitten im nepalesischen Dschungel. Die Aussicht hier ist...naja Grün und Braun wie es halt im Wald so ist. Von den Bergen und der wunderbaren Aussicht die wir auf den Fotos der anderen Trecker gesehen haben, sehen wir nicht viel. Gegen Mittag kommen wir auf einen kleinen Kamm von dem aus man eine schöne Aussicht genießen kann. Hier führt auch der Hauptweg entlang wie man an dem Plastikmüll der den Pfad dekoriert gut erkennen kann. Okay, wir hatten zwar noch nichts zu essen, aber sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg, das ist doch schon mal ein Anfang. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit bis wir an einer Hütte vorbei kommen an der wir uns was warmes zum beißen genehmigen können. In der Zwischenzeit stärken wir uns mit Snickers und Crackern, dann machen wir uns auf die weiterreise. Der Magen würde schön langsam nach etwas warmen zum essen schreien, nachdem wir unsere Wanderkarte mit unserem aktuellen Standort auf Maps.me per GPS verglichen haben wird uns aber schnell klar, dass wir auf jeden fall schon zu weit im Dschungel eingedrungen sind um vor heute Nachmittag auf eine Verpflegungsstätte zu treffen. Und irgendwie passen die Angaben auf der Karte auch nicht wirklich mit dem überein was uns das Handy sagt. Laut unserem Handy sind wir mindestens 500-800 Meter über halb des eigentlichen Trecks der auf der Karte eingezeichnet ist. Naja der Weg hier geht zumindest schöner weiter als der den wir bisher hinter uns gelassen haben. Auf einer Lichtung die wir eine Stunde später erreichen und von der aus wir so etwas wie eine Hütte erspähen können, kommen uns drei nepalesische Wanderer auf ihrem Abstieg entgegen. Viel englisch können sie nicht, das einzige was wir herausfinden, dass die Hütte von der sie kommen etwa eine Stunde entfernt ist (also hier waren sie sich uneinig, der eine meinte 20 Minuten, der andere 1 Stunde...im Zweifel ist es bei den nepalesischen Zeitangaben nie verkehrt das ganze um den Faktor x zu multiplizieren, Zeit ist hier ein wirklich dehnbarer Begriff). Das muss eine andere Hütte sein als die, die wir von hier aus sehen, aber immerhin ein Lichtblick. Als wir uns dem Weg weiter hinauf kämpfen, müssen wir über Bäume klettern, vorbei an stacheligen Sträuchern und kommen immer wieder mal an einem Bachlauf vorbei an dem wir unseren Trinkwasservorrat auffüllen können. Es dauert nicht lange bis wir an der Hütte vorbeikommen die wir von der Lichtung aus erspäht haben, es stellt sich jedoch raus, dass es hier nichts zum Essen gibt, zumindest nichts das man „schnell“ mal zubereiten könnte, außer zwei Kühen ist der Unterschlupf komplett verlassen. Von hier aus führen wie schon so oft zuvor nicht nur 2 Wege sondern gleich 4 Wege weiter. Wir entscheiden uns für den der uns am besten ausschaut um weiter hinauf zu kommen. Irgendwie ist mir schon etwas mulmig als wir dann nach einer halben Stunde weiteren Marsches immer noch keine Hütte gefunden haben. Die Hütte von der die Jungs kommen müsste eigentlich schon lange hergegangen sein, sind wir noch auf dem richtigen Weg und wenn nicht wie kommen wir wieder auf den richtigen? Das ganze Stück wieder zurück laufen um dann nochmal bergauf zu laufen oder doch einfach drauf hoffen dass noch ein orientierungspunkt hergeht? Gerade als ich eine richtig steile Passage hinaufklettere und mir schwöre wenn man von da oben nichts erkennen kann wieder umzudrehen ist es endlich soweit. Oben angekommen breitet sich vor meinen Augen eine riesige Lichtung aus, in ihrer Mitte steht eine Hütte, das muss die Hütte sein die auch auf unserer Karte eingezeichnet ist. Endlich! Endlich können wir uns ein bisschen ausruhen und von hier aus den Ausblick auf die Landschaft genießen während wir auf unser Essen warten. Voller Freude und fast schon im Hopserlauf hasten wir auf die vielversprechende Unterkunft zu. „Hallo? Jemand zuhause?“ – keine Antwort...Die Türe steht offen und als ich eintrete wird mir auch klar warum keiner geantwortet hat. Die kleine Hütte die in zwei Räume aufgeteilt ist, ist leer menschenleer. In dem großen Raum der etwa 3x5 Meter misst gibt es außer einer Decke auf dem blanken Dielenboden nichts zu finden. Im Nebenraum - direkt im Anschluss zu dem geräumigen Wohnzimmer - ein 1,5x3 Meter in die länge gezogener Raum mit gepflastertem Boden ist eine Kochsstelle eingerichtet, das heist es gibt ein Eisengestell dass man über das offene Feuer stellen kann um darauf dann seine Pfanne oder seinen Topf zu platzieren (eine weit verbreitete Kochmethode hier in Asien). Also einen Herd hätten wir, blöd nur dass wir weder Topf, noch Pfanne und was noch viel wichtiger ist auch nichts zum warm machen dabei haben! Eine Selbstversorgerhütte, na super! Etwas frustriert und mit leicht angespannten Nerven drehe ich mir erst mal ein Kippchen zur Beruhigung. Bei einem genaueren Blick auf die Karte geht mir dann langsam ein Licht auf.Es gibt zwei Mardi Himal Basecamps. Das westliche (wohl das von dem die anderen erzählt haben), an dessen Weg sich immer wieder mal die Symbole für Hotels, Campingplätze und Unterstützungshütten befinden, und das südliche auf dessen Weg wir uns gerade befinden. Hier gibt es wie schon erwähnt zwei Hauptpfade, der rechte führt von einem Dorf zum anderen und hält im späteren verlauf einen Tagesanstieg von 2000 Höhenmetern für einen bereit. Der linke Weg ist in etwas leichtere Anstiegsetappen aufgeteilt, was auch der Grund ist warum wir uns für den Verbindungspfad zu dem Weg entschieden haben. Hier gibt es aber eben auch nur Symbole für Campingplätze (wir befinden uns gerade auf einem davon) und nur an zwei Stellen gibt es ein Symbol das eine „supporters shelter“ ausweist. Eine davon sollte in Odane Hill stehen, unserem eigentlichen Ziel des heutigen Tages. Nach dem Weg zu urteilen den wir in den letzten 6 Stunden hinter uns gelassen haben, müssen wir noch mindestens mit einem Marsch von 2-3 Stunden rechnen bis wir dort ankommen, na dann mal los!Von unserem aktuellen Standpunkt aus haben wir wieder einmal die Qual der Wahl, es gibt 3 Wege die von hier aus wegführen, wir entscheiden uns für den der von der Himmelsrichtung her in die richtige Richtung zu führen scheint und einen recht guten Eindruck macht. Nach einer halben Stunde auf immer schmaler werdenden Pfaden durch den durchwachsenen Urwald zücken wir unser Handy um uns zu orientieren. Laut GPS sind es noch 300 Meter Luftlinie bis zum Haupttreck wo wir dann hoffentlich auf die Hütte stoßen. Eine Stunde später trennen uns nur noch 100 Meter von unserem Ziel. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem es nur noch wichtig ist, den Haupttreck wieder zu finden. Wir glauben nicht dass wir noch auf dem „richtigen“ Weg sind, falls es den hier überhaupt gibt, ich glaube es wäre leichter aus einem Irrgarten rauszufinden als hier den richtigen Weg auszumachen. Voller Euphorie fast schon da zu sein und weil die Hände von den Dornenbüschen eh schon komplett zerkratzt sind, versuche wir uns weiter nach oben zu Kämpfen, wenn alle Stricke reißen muss man’s auch mal mit der Brechstange versuchen. Was sich so einfach anhört und bestimmt auch ohne Rucksack schon schwer genug wäre, wird hier zu einer schier Unmöglichen Aufgabe. Der Dschungel hier ist jetzt so dicht bewachsen, dass es nicht mal mehr Anzeichen auf Tierpfade gibt, die Steigung liegt irgendwo um die 25-30 Grad und obendrein bin ich auch noch für meine Schwester verantwortlich die sich bis jetzt erstaunlich gut schlägt, ich hätte eigentlich schon mit einem Nervenzusammenbruch oder ähnlichem gerechnet aber sie ist wirklich tapfer und stark! Irgendwie schon lustig. Ich habe mir immer so ein Abenteuer gewünscht, aber nicht unter diesen Umständen. Wir wollten doch nur einen schönen Treckingausflug genießen und nicht ein Survivaltraining ohne Vorbereitung hinter uns bringen. Da das weiterkommen dann wirklich unmöglich wird, der Weg wird so steil, dass man schon klettern müsste um da rauf zu kommen nur dass der Wald hier so dicht bewachsen ist, dass man nicht mal mehr einen Fuß vor den andern setzten kann ohne eine Hand voll Wurzeln auszureißen. Mit einem Blick auf die Uhr, der uns mitteilt, dass es mittlerweile 17:00 Uhr ist entscheiden wir uns dafür an dieser Stelle aufzugeben umzudrehen und darauf zu hoffen, dass wir die Campinghütte wieder finden, damit wir heute Nacht zumindest ein Dach über dem Kopf haben. Der Rückweg ist genau so aufregend wie schon der Anstieg zuvor, vor allem weil wir natürlich wieder mal keine Ahnung haben wo wir genau hinlaufen. Um kurz vor 6 erreichen wir dann eine Stelle, die mir bekannt vorkommt. Wir sind kurz vor dem Steilen Anstieg der zu der Lichtung führt, auf der die Hütte steht. Nur noch schnell die Wasserflaschen auffüllen und dann ab zu unserer Übernachtungsgelegenheit. Zwar kein 4 Sterne Welnesshotel hier aber auf jeden Fall besser als irgendwo im Dschungel zu campiern. Wenn ich auf meiner Reise bisher etwas gelernt habe, dann ist das wohl das Feuer machen, es dauert nicht lange und wir haben ein kleines Feuer in der Hütte um sie für die Nacht etwas aufzuwärmen und ein größeres Lagerfeuer draußen unter freiem Himmel.Bald wird es Dunkel und nach einem kleinen Abendessen unterhalten wir uns über schöne und vor allem lustige Geschichten von daheim. Als wir uns überlegen was wir Morgen machen wollen, fällt uns auf, dass wir selbst mit einem Guide in diesen verwinkelten Wegen wahrscheinlich nicht schneller voran gekommen wären und darüber, dass wir mit unseren geplanten 500 Euro für den Treck bis jetzt wirklich gut hinkomme weil wir eh keine Möglichkeit haben das Geld irgendwie loszuwerden. :D Nach den aufregenden Tagen gleich am Anfang unseres Trecks wollen wir morgen nur bis nach Odane Hill laufen, gibt ja jetzt nur noch eine 50:50 Chance den falschen Weg zu erwischen. Und wenn wir dann in Odane sind und in der Hütte hocken können wir uns den ganzen Tag ausruhen, die Aussicht genießen und es uns einfach gut gehen lassen. PS. Ois Guade Limmä, hoff du verstehst warum ma ned glei auf Gsichtsbuach gratuliert ham

15.4.17 08:25

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