Der Treck beginnt

11.03. Als wir uns an diesem herrlichen Sonntagmorgen mit Nacho zum Frühstücken aufmachen haben wir bereits alles dabei was wir brauchen und nachdem wir uns eine kleine Stärkung gegönnt haben kann’s dann auch gleich losgeh’n. Als Proviant für die kleinen Pausen zwischen den Teehäusern die alle 2-3 Stunden auf dem Weg liegen haben wir zur Sicherheit noch ein paar Snickers, 5 Tafeln Schokolade, Tucs und für den Notfall Wassertabletten und Eisteepulver im Gepäck. Kurzum, wir sind bestens darauf vorbereitet richtige Gipfelstürmer zu werden. ☺ Da es am ersten Tag nicht weit ist und wir auch nicht wissen wann wir wieder so gutes Frühstück bekommen lassen wir uns richtig viel Zeit und machen uns erst am Nachmittag gegen 14:00 Uhr auf die Wanderung. Der Weg ist in der Karte ganz einfach eingezeichnet, auf der Hauptstraße raus aus der Stadt und dann sollt nach ner Stunde Fußmarsch die nächste größere Stadt erreicht sein. Aber wie solls auch anders sein, wir „verlaufen“ uns schon am ersten Tag, oder besser gesagt wir nehmen den Falschen Weg aus der Stadt. Anstatt entlang der Landstraße bis nach Mardi zu wandern, von wo aus wir den Anstieg beginnen wollen, wandern wir am See entlang und merken erst nach eineinhalb Stunden dass wir auf dem falschen Weg sind um heute noch nach Mardi zu kommen. Wir haben ja genug Zeit und lassen uns davon nicht wirklich beirren, nach einem kurzen Blick auf die Karte planen wir unsere Tagestour einfach um und entscheiden uns kurzerhand für einen kleinen aber steilen Umweg nach Sarangkot um uns dort dann nach einer Unterkunft umzusehen. Auf der Karte ist ein Weg eingezeichnet, der allerdings 2km in der Richtung aus der wir gerade gekommen sind liegt. Gerade als wir uns am Anfang des steil bergaufführenden Weges befinden verlässt uns das gute Wetter und aus dem Sonnenschein der uns gerade noch den Tag erhellt hat wird innerhalb kürzester Zeit ein kleiner Sturm. Tiefschwarze Wolken und ein grausig kalter Wind ziehen über das Land. Gerade als sich der anfängliche Nieselregen in einen richtigen Schauer verwandelt, finden wir einen kleinen Unterschlupf in dem wir vor Wind und Wetter geschützt sind. Hier vertreiben wir uns die Zeit mit Kartenspielen bis der Regen etwas nachlässt. Die ca. 1000 Meter Höhenunterschied den wir am Abend als wir doch etwas durchnässt in Sarangkot ankommen hinter uns gelegt haben spüren wir auch in unseren Füßen. Erst mal eine warme Dusche und dann die nassen Klamotten zum trocknen hängen bevor wir uns was zum Essen genehmigen und ziemlich K.O. in die Falle fallen. War vielleicht nicht unbedingt der Start den wir uns für den Treck gewünscht haben, aber der Anfang ist zumindest schon mal gemacht. ☺ 12.03.Der Tag beginnt recht früh, im Zimmer ist es noch dunkel und kalt als ich aufstehe um vor der Türe eine Zigarette zu rauchen und die Sonne beobachte, wie sie langsam über die Spitzen des Himalayas Licht und Wärme auf die Südseite der Berge bringt. Unsere Klamotten sind immer noch klamm, also hänge ich sie oben auf dem Dach so über die Leine dass sie direkt von der Sonne angestrahlt werden und hoffentlich getrocknet sind bis wir weiterziehen. Zum Frühstück gibt’s ne große Kanne Kaffee für uns beide und als wir richtig wach sind bestellen wir uns Dal Bath um eine gute Grundlage für den heutigen Abstieg nach Mardi zu haben. Als wir aufbrechen sind unsere Klamotten getrocknet und es gibt nur noch wenige Stellen auf unserem Pfad, die noch nicht von der Sonne getroffen werden. Unser Weg führt uns zuerst nach Westen, durch kleine Bergdörfer, die Einwohner begrüßen uns freundlich und da heute im ganzen Land Holi gefeiert wird, dauert es nicht lange bis auch wir die Farbe ins Gesicht geschmiert bekommen. Nach eineinhalb Stunden kommen wir an die Abzweigung die uns unser Gastgeber vom Hotel beschrieben hat. Von hieran führt ein Weg über eine improvisierte Steintreppe durch die Wälder ostwärts und bergab in die etwas größere Stadt Hemja, welche nur noch 2-3 km von Mardi entfernt ist. Der Abstieg geht zum glück etwas leichter als der Aufstieg. Bei einer kleinen Pause schweifen meine Augen über einen Bambusbusch der geradezu Halme im perfekten Durchmesser hat um uns ein paar Wanderstöcke daraus zu machen. Am besten ist es wenn man sich beim Bergabgehen einfach ein bisschen treiben lässt und nicht versucht ein langsames Tempo einzuschlagen „hinabtänzeln“ würde ich sagen spart in diesem Sinne nicht nur Zeit, sondern schont auch die Gesundheit und Gelenke. Unten angekommen überqueren wir einen Fluss und kommen dann endlich auf die Hauptstraße auf der wir eigentlich Gestern schon marschieren wollten. Am frühen Nachmittag erreichen wir Hemja, von hier aus ist es noch eine knappe halbe Stunde nach Mardi. Gerade als wir aus der Stadt raus sind, verdunkelt sich der Himmel und dicke schwarze Wolken ziehen auf. Der Sturm der mit den Wolken kommt ist stark genug um die Büsche in einer solide waagerechten Haltung zu fixieren aber wenn wir schnell genug weiter gehen sollten wir es zumindest noch nach Mardi schaffen bevor es anfängt zu regnen. Hat irgendwie was mystisches die Landschaft in diesem dunklen Szenario. Die Flüsse fließen wild und kalt durch die voralpine Berglandschaft des Himalayas durch die wir marschieren. Genau rechtzeitig kurz bevor es anfängt zu Regnen hocken wir unter dem Dach eines Restaurants an der Straße und warten auf unseren Tee. Bei zwei Tassen Tee und einer Partie Neunerln (die ich wie sich das als guter Bruder gehört meine Schwester gewinnen lasse) diskutieren wir den weitern Tagesplan. Wir könnten entweder eine knappe halbe Stunden bis zu einem Hostel, (das allerdings nicht auf dem Weg liegt den wir eigentlich geplant hatten) oder eineinhalb Stunden weiter bis nach Gauchowk gehen. Dem Dorf von dem aus es einen Weg gibt, der die beiden Wege die zum südlichen Basecamp des Mardi Himal, unserem endgültigen Ziel, miteinander verbindet und den wir uns zuvor auch ins Auge gefasst haben. Gerade als wir wieder schön warm sind und die zweite Tasse geleert haben, lässt der Regen etwas nach, fast als wolle er uns ein Zeichen geben dass wir den ursprünglichen Plan verfolgen sollen. Unser Weg führt über eine Stahlbrücke auf die andere Seite des wilden Flusses, von hier aus ist auf der Karte ein Weg eingezeichnet der uns auf direktem Weg nach Gauchowk führen sollte...eigentlich. Keine Ahnung wie wir das schon wieder geschafft haben, aber eine halbe Stunde später stehen wir an einem Abgrund, 30 Meter unter uns fließt der Fluss und auf der anderen Seite erstreckt sich eine 30 Meter hohe Felswand die uns den Weg versperrt. Uns bleibt nichts anderes als umzudrehen und einen anderen Weg zu suchen. Wir finden einen Pfad, der nicht unbedingt den Anschein macht als wäre er für Trecker mit großen Rucksäcken gemacht, aber er bringt uns dann schließlich doch an unser Ziel. Über Stock und Stein geht es direkt am Fluss entlang, hier und da wenn der Pegel nicht wirklich hoch ist, geht es auch durch den Fluss und am Ende schaffen wir es dann trocken und gerade wieder mal rechtzeitig zum Sonnenuntergang in unserem Zielort anzukommen. Als wir gerade auf der suche nach einer Herberge sind werden wir von einem älteren Einheimischen Mann angesprochen, der uns auch gleich ein Bett anbietet. Er lebt mit seiner Frau auf dem kleinen Hof und seine Kinder sind alle in der Stadt oder in Übersee beim arbeiten, Platz ist also genug da. Eine halbe Stunde später hocken wir beim essen in der kleinen spartanischen Küche. Zwar nicht das beste Dal Bath aber immerhin erfüllt es seinen Zweck. Das einzige das etwas nervt ist, dass bei der ganzen Gastfreundschaft die uns zuteil wird das es das weitverbreitete Problem der Sprachbarriere in Nepal auch hier auf dem Land das selbe ist. Ich meine die Leute sind echt alle super Nett und wollen immer alles von einem wissen, ist ja irgendwie auch logisch, sie selbst haben meistens nicht die nötigen Mittel um fort zu reisen, also holen sie das Ferne anders in ihr Leben. Aber nachdem ich mittlerweile schon seit 5 Monaten oft genug damit zu tun hatte, bin ich es irgendwie leid mich abzumühen irgendwie ein Gespräch aufrecht zu erhalten, dass letzten Endes doch nur ins nichts führt. Er bemüht sich auch uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten und ist vor lauter Übereifer einfach zu aufdringlich als dass wir die Erfahrung hier auf dem Hof wirklich genießen könnten. Wir wollen einfach nur schlafen und uns ausruhen ist das denn zu viel verlangt? Wir nutzen eine kurze Pause als sich das Ehepaar selbst was zum essen macht und verkriechen uns in unser Schlafgemach. ☺

15.4.17 08:23

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