Die Farm des Franzosen

20.03.-25.03Pünktlich um 5 Uhr morgens erreichen wir mit unserem vollbepackten Bus die Endstation in Kathmandu. Geschlafen hab ich wieder mal eher wenig, zum Glück ist das nichts neues mehr. Hab ja mittlerweile schon so einige Nachtfahrten in Asien mit dem Bus hinter mich gebracht aber so wirklich geschlafen hab ich selten...man könnte das ganze wohl eher so ergründen dass ich mir ab und zu mal kurz die Augen ausgeruht habe. Nachdem wir uns 3 Milchtee in einem Kiosk/Streetfood laden hier am Bahnhof geholt haben und uns der etwas unfreundliche Besitzer darauf hinweist dass er auch ein Hostel besitzt in dem wir gerne einchecken können anstatt auf unseren Anschlussbus zu warten, kommen mir ein paar ebenso unfreundliche Worte über die Lippen, nur so dass er halt nichts davon versteht. Echt krank...schade dass es überall Leute gibt, die einem die Stimmung versauen. Nachdem wir unser Zeug gepackt haben suchen wir uns den richtigen Bus der uns wieder raus aus der Stadt und aufs Land bringt. Das letzte mal bin ich ja um 8 Uhr erst losgefahren, heute sind wir so früh dran, dass wir mit dem ersten Bus um halb 7 stadtauswärts fahren.Passend zur Mittagspause überraschen wir Thomas und seine Mutter bei ihrer Siesta. So früh hätten sie nicht mit uns gerechnet. ☺ Seit meinem letzten Besuch auf der kleinen Farm in Chaughada hat sich einiges getan. Die Kartoffeln, Karotten und der Radi sind geerntet und trocken gelagert, der Kohl ist groß und stark geworden, so dass wir ohne Probleme jeden Tag zwei bis drei Köpfe ernten können, die letzten Fische im Teich haben mittlerweile auch das Zeitliche gesegnet und der Besuch der Verwandten hat nicht nur helfende Hände sondern auch so einiges an Kücheneinrichtung mitgebracht. Das wohl coolste ist, dass die Katze um die sich Thomas teilweise gekümmert hat in der Zwischenzeit Nachwuchs bekommen hat. Drei kleine Babykatzen bringen neues leben in die Bude. Die nächsten 4 Tage die wir hier sind, lassen wir es mit der Arbeit eher ruhig angehen. Es gibt zwar was zu tun, aber nichts was wirklich unbedingt notwendig wäre. Die Tage beginnen wieder mal ziemlich früh. Nach dem Frühstück und den getanen täglichen Aufgaben verbringen wir den Vormittag meistens produktiv im Garten, ein bisschen was ist ja immer zu tun auf so ner Farm. Thomas hat mich gefragt ob ich ihm vielleicht seine Axt schleifen kann, im Gegenzug sorgt er dafür dass der Deckel meines Espressokochers wieder an seinen Platz kommt und fixiert ihn mit zwei Nieten gleich so, dass er nicht wieder abfallen kann. Am Nachmittag ist es jetzt so heiß dass wir nach dem Mittagessen eine Siesta einlegen. Da ich jetzt einen Laptop habe und Thomas ein paar Festplatten vollgestopft mit Filmen zu seinem Hab und Gut zählen kann, kommt die elektronische Unterhaltung in diesen Tagen nicht zu kurz. Bei einer Wanderung zum Picknicken kommen wir an einer Herde Affen vorbei und hören das Brüllen eines Tigers, den wir aber leider nicht zu Gesicht bekommen (anscheinend hat es sich ein Tiger in der ersten Nacht in der wir hier waren für ein Nickerchen auf einem der Bäume auf dem Grundstück gemütlich gemacht). Ich bin gerade dabei die Axt zu schleifen und denke darüber nach dass ich mich schon lange nicht mehr geschnitten habe, also ich mit dem Stein abrutsche und mir die Schneide der Axt über den Finger ziehe. Die gute Nachricht: Die Axt ist jetzt scharf! Tags drauf hat sich Thomas übrigens gedacht dass er mich nicht alleine leiden lassen will und sich kurzerhand beim Holzhacken auch ein bisschen in den Finger gehackt, zum Glück hatte ich noch Klammerpflaster in meinem erste Hilfe Beutel, war echt n sauberer Schnitt! :D Meine Schwester bekommt einen Kochkurs in „How to make Momos“ und die Tage haben alles in allem einen geregelten Ablauf. Wir Jungs kümmern uns um die schweren Sachen und die Mädls kümmern sich um die Felder und die kulinarische Verköstigung. Am letzten Abend den wir hier bleiben wollen zieht ein kleiner Sturm auf. Doch was sich erst als kleiner Sturm angekündigt hat, wird dann zu einem richtigen Orkan. Im oberen Geschoss des Hauses sind noch keine Fenster eingebaut. Vor den Küchenfenstern hängen Planen und das Große Wohnzimmer ist immer gut durchlüftet. Das Problem an diesem Abend war dass Wind und Regen gleichzeitig in einem gigantischen Ausmaß auf das Land niedergeschlagen haben. Kurz bevor der Wind aufgezogen ist haben wir uns dran gemacht, alles sturmsicher zu machen. Fenster zu, Haustür abschließen und dann ab zum essen. Nur haben wir nicht viel Zeit zum essen, der Sturm wird schnell so stark, dass Regentropfen waagerecht durch das Wohnzimmer schwirren. Gleich drauf finden wir uns in einem Kriegsgebiet wieder. Von überall kommt Wasser rein! Die Fenster unten lecken, also in jedem Zimmer die Betten verrutschen, dann läuft das Wasser die Treppe runter, da unter der Treppe Kartoffeln und Karotten gelagert werden nicht unbedingt das beste Szenario. Die Polster von der Wohnzimmercouch waren nur halb in Sicherheit, wo es vor 5 Minuten noch komplett trocken war steht das saugen sich Boden und Polster mit Wasser voll dass die Treppe runter gelaufen ist. Ich komm mir vor wie im Krieg! Die Blitze die dem tobenden Donner folgen haben genug Power um das ganze Tal hell zu erleuchten. Dieses Nepal ist eben immer für eine Überraschung gut. Nachdem wir die Katzen aus der Küche gerettet haben machen wir es uns alle zusammen in Thomas Zimmer gemütlich und sitzen das Gewitter aus. Schaut ganz so aus als würden wir noch ein bisschen bleiben.Den nächsten Morgen nutzen wir zur Schadensermittlung und –bekämpfung. Auf den Feldern schauts besser aus als gedacht. Aber wie hoch der Schaden hier wirklich ist wird die Zeit zeigen. Im Erdgeschoss passt sich eh schon wieder alles nur oben im ersten Stock schippen wir knapp 15 Liter Wasser vom Wohnzimmerboden. Was ein Glück dass hier alles spartanisch eingerichtet ist. Wir entschließen uns beim Frühstücken dazu noch eine Nacht länger zu bleiben um am Nachmittag die Felder wieder herzurichten. Etwas gutes hat das ganze ja auch, zumindest muss jetzt erst mal für ein paar Tage kein Wasser mehr in die Felder laufen, denen geht’s soweit optimalst und am Abend kann man kaum noch was davon sehen, dass gestern wirklich so ein Sturm gewütet hat. Zumindest um die Farm des franzosen nicht. Die anderen Felder und zum Teil auch Straßen sind von dem Unwetter böse erwischt worden. Tja, das ist halt das Problem wenn man das ganze Jahr über nur 3 Sachen anbaut und nicht ein bisschen ökologischen und nachhaltigen Ackerbau betreibt. Während die Nachbarn noch etwas aufgewühlt aber darüf nicht weniger unfreundlich sind, lassen wir den letzten gemeinsamen Abend noch auf 2-3 Bierchen ausklingen und packen schon mal die Sachen für die morgige Abreise zurück nach Kathmandu.

10.5.17 05:43, kommentieren

Pokhara die 3te! :)

15.03. – 19.03.Das kleine Holzbett das wir uns für die Nacht geteilt haben war nach der letzten Nacht purer Luxus! Das Wetter heute Morgen ist klar und von dem Dorf in dem wir uns befinden haben wir einen perfekten Ausblick über die Berge vor uns. Ich würde sagen es ist der beste Ausblick den wir in den letzten Tagen überhaupt hatten! Nachdem wir unseren Milchtee getrunken haben erkundigen wir uns wie wir am besten zu einer Busstation kommen um zurück nach Pokhara zu fahren. Wir sind noch knapp 500 Höhenmeter über den Dörfern unter uns und müssen erst einmal eine steile Treppe hinunter die uns auf eine Art Hauptstraße führt. Ihr wollen wir einfach so lange folgen bis uns ein Bus entgegenkommt. Das ist wohl der beste Plan um so schnell wie möglich zurück in die Stadt zu kommen. Nach 10 Minuten passieren wir einen Jeep der am Straßenrand geparkt ist. Bereits voll gepackt mit Schulkindern fragen wir wo sie denn hin fahren würden. Nachdem wir die schlichte Antwort Pokhara bekommen sitzen wir eine Minute später auf dem Dach des Jeeps und warten darauf dass wir losfahren. Eine Stunde später sind wir dann zurück in der Stadt am See und kurz darauf checken wir auch in unserem Hostel ein. Die andern sind noch da und recht erstaunt, dass unser Treck schon vorbei ist, aber nachdem wir ihnen die Geschichte der letzten Tage erzählen werden wir gefeiert wie die Champions. Das erste was uns in den Sinn kommt ist natürlich gutes Essen. Wir haben heute Morgen extra nicht gefrühstückt um noch mehr Hunger zu haben als wir uns im OR2K auf die Terrasse mit Ausblick über den See und die umliegenden Berge verköstigen lassen. In den nächsten Tagen die wir hier verbringen erfahren wir so einiges über unseren Treck, die Einheimischen erzählen uns, dass nicht mal sie die Route wählen würden die wir gegangen sind und von anderen Touristen erfahren wir, dass der Schneesturm der uns zum umdrehen gezwungen hat ausschlaggebend dafür war, dass die Annapurnaregion für unbestimmte Zeit als Treckinggebiet geschlossen wurde. Angesichts der neuen Erkenntnisse freuen wir uns noch mehr darüber diesen Treck gemacht zu haben. Es war vielleicht nicht der schönste Treck in Nepal, aber auf jeden Fall der aufregendste. Wer braucht schon Fotos von Bergkulissen wenn er eine Story wie wir durchgemacht hat?!Wir regenerieren uns noch für 4 Nächte in diesem gemütlichen Ort. Nach der Erfahrung in den Wäldern sieht die ganze Stadt anders aus. Ein ganz neuer Flair bedeckt die Orte die wir schon kennen. Wir könnten wahrscheinlich noch ewig hier bleiben, aber irgendwann kommt der Moment an dem man sich entscheiden muss ob man stehen bleiben will und alles einfach so hinnimmt wies kommt oder ob man weiter zieht um neue Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln. An unserem letzten Tag besuchen wir am Nachmittag nochmal die Kinder im Waisenhaus und bleiben bis zum Essen bevor wir mit dem Taxi zur Busstation fahren und uns ein Ticket für den Nachtbus nach Kathmandu holen um Morgen früh aufs Land zu Thomas Farm zu fahren.

17.4.17 04:12, kommentieren

The way to the top

14.03. Die letzte Nacht war erstaunlich warm und der Fußboden eine bemerkenswert bequeme Unterlage, dafür dass wir wirklich rein gar nichts dabei hatten was uns etwas Luxus gespendet hätte. Wir haben unser Lager so nahe wie möglich am Feuer aufgeschlagen und wenn ich in der Nacht aufgewacht bin hab ich fleißig nachgeheizt. So dass ich am Morgen wenn ich aufwache leichtes spiel habe aus der Restglut die noch in der Feuerstelle brennt schnell wieder ein Feuer zu entfachen. Meine Schwester schläft noch tief und fest, ich mache mich erst mal auf einen kleinen Morgenspaziergang um unsere Wasserflaschen aufzufüllen. Als ich zurück komme bereite ich unser Frühstück am Lagerfeuer vor, es gibt gegrillte Tucs und zur Abwechslung mal Snickers und Schokolade. Nachdem wir unsere 7 Sachen zusammen gepackt haben geht’s gleich los, je eher wir ankommen, desto mehr Zeit haben wir zum entspannen. Der Weg geht wirklich schön vor sich hin. Also entweder haben wir mittlerweile den dreh raus oder wir haben mittlerweile eine Höhe erreicht in der selbst die Alpenbauern nur noch selten durch die Wälder ziehen. Das einzige was sich heute zieht ist der Weg der vor uns liegt. Wir kommen nicht mehr so schnell voran wie gestern, aber wie heist es so schön – „In der Ruhe liegt die Kraft“. Ist ja auch nicht unbedingt verwunderlich, dass wir heute nicht mehr so flink unterwegs sind wie die letzten Tage, unsere letzte richtige Mahlzeit ist mittlerweile über 26 Stunden her, dafür dass wir den ganzen gestrigen Tag gewandert sind und nicht wirklich viel gegessen haben sind wir eh in Topform. ☺ Nach dreieinhalb Stunden anstieg über Stock und Stein, vorbei an Kuhfladen und wunderschönen roten Rhododendronbüschen die gerade dabei sind ihre Blätter zu verlieren, kommen wir endlich an einen Punkt an dem wir uns wirklich orientieren können. Ein Wegweißer! Oh wie schön können die kleinen Dinge auf dieser Welt auch sein? Aber die Euphorie hält nur für einen kurzen Moment, nachdem wir gelesen haben was auf dem Wegweiser steht und die Ortschaften mit unserer Karte vergleichen haben, fällt uns auf, dass wir bereits ein ganzen Stück oberhalb von Odane Hill auf den Haupttreck gelangt sind. Von hier aus ist es streckentechnisch gesehen genauso weit bis zur nächsten eingezeichneten Hütte weiter den Berg hinauf als nach wie nach unten zu unserem eigentlichen Ziel. Nach kurzer Gedenkzeit mit einem mehr oder weniger schönen Ausblick über die Bergwälder ringsherum kommen wir zu dem Entschluss, dass es auf jeden Fall besser ist nach oben zu gehen, als die gleiche Strecke heute runter zu laufen, nur damit wir uns Tags drauf wieder nach oben schleppen dürfen. Also Zähne zusammenbeißen, Arschbacken zusammenkneifen, Handschuhe rausholen und rein ins Schneegestöber. Wir haben nicht mehr weit bis wir über der Schneefallgrenze sind, die ungefähr bei 2.700-3.000 Meter liegt. Das schöne an dem Schnee hier ist, dass wir einfach den Fußspuren (die nach meinen spurenleserischen Fähigkeiten ungefähr 3 Tage, 10 Minuten und 43 Sekunden alt sind) folgen können. Der Nachteil an der Sache, je weiter nach oben wir kommen umso kälter wird’s auch. Der Wind und der kleine Schneesturm machen die Wanderung auch nicht wirklich angenehmer und zu guter letzt sind wir seit unserem letzten Orientierungspunkt 3 Stunden weiter gewandert ohne auch nur ein Anzeichen auf eine Hütte. Vor uns liegt ein wirklich steiler Streckenabschnitt, bei einem falschen Tritt sinke ich bis zur Hälfte meines Unterschenkels durch die Schneedecke, es wird anstrengender, steiler und obendrein müssen wir anfangen den Schnee zu schmelzen um unsere Trinkwasserreserven aufrecht zu erhalten. Wirklich beschissene Lage. Geredet haben wir in den letzten zwei Stunden wenig, wir sind beide in einer Art Trance, Hauptsache weiter nach oben, bald muss die Hütte kommen. Wir sind mittlerweile auf knappen 3.200 Metern und der Sturm lässt nicht wirklich nach. Fast schon oben am Kamm des steil abfallenden Schneebedeckten Hügels den wir gerade erklimmen ist es dann so weit. Ich drehe mich um zu meiner Schwester. Panik und Erschöpfung stehen ihr ins Gesicht geschrieben. Hier ist Endstation und umdrehen ist die zweite Wahl. Wir zücken unser Telefon das nur noch 5 % Akku hat und versuchen den Rettungsdienst anzurufen. Aber leider vergebens, zum einen kennen wir die Nummer nicht und obendrein haben wir auch kein Netz. Kurz vor einem Nervenzusammenbruch beruhige ich sie und mache ihr klar dass es jetzt nur noch einen Weg gibt um hier raus zu kommen und der führt nach unten. Am besten so schnell wie möglich, damit wir wieder ins warme kommen. Ich gebe ihr meine dicken Snowboardhandschuhe und ziehe mir selbst ihre durchweichten dünnen Wollhandschuhe an. Kurz darauf schießt mir ein Schmerz durch die Finger der mir auf eine unschöne Art und Weise klar macht dass ich alle meiner Glieder behalten kann. Fast schon ein süßer Schmerz wenn man so will. Um 16:30 haben wir den schlimmsten Teil des Berges hinter uns gelassen, es ist wieder etwas wärmer, auch wenn es immer noch regnet aber hier im dichten Wald sind wir zumindest davor ganz gut geschützt. Wir erreichen einen Wegweiser der uns auf einen anderen Verbindungstreck der beiden Hauptstrecken hinweist, ein Weg, der wohl am schnellsten von allen zurück in die Zivilisation und zu was anständigem zu essen führt. Nach all bescheidenen Trampelpfaden die wir in den letzten beiden Tagen gegangen sind, ist der Weg hier anders als erwartet richtig gut zu erkennen. Wir kommen an eine große Lichtung und durchlaufen eine ziemlich schöne Waldlandschaft. Mit einem Blick auf die Uhr wird mir ein bisschen mulmig zumute, so wirklich Lange haben wir nicht mehr Zeit bevor es dunkel wird. 2 Möglichkeiten, entweder wir folgen dem Weg, der uns mittlerweile nach den ganzen Abzweigungen auch in die falsche Richtung führen kann oder wir machen’s auf die radikale Tour und laufen querfeldab nach unten, der Weg scheint eh in Serpentinen den Berg hinauf zu gehen, also müssten wir weiter unten auch wieder auf einen Weg treffen. Natürlich entscheiden wir uns für die zweite Variante. Gepuscht von einem Energieschub laufen wir den Berg hinab und versuchen dabei immer einen Weg im Auge zu haben. Als wir an einem ausgetrockneten Bachlauf vorbeikommen, entscheiden wir uns die großen Steine hinab zu steigen um gute 70 Höhenmeter auf einmal gut zu machen. Das manövrieren mit dem schweren Rucksack hats in sich, aber er hilft uns auch oft dabei das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Alles läuft nach Plan, wir fangen schon an darüber zu scherzen wie schön das Bett und das Essen heute Abend wird. Dann kommen wir auf einmal an eine etwas unschöne Stelle. Der Abhang wird wieder Steiler und bei dem dicht bewachsenen Wald kann ich nicht erkennen ob denn da vorne noch ein Weg langführt. Ich klettere vorsichtig hinab bis ich was sehen kann und befinde mich auf einem knapp 40cm breiten Pfad, auf der einen Seite ein 1,80 Meter hohes Hindernis aus Fels, Lehm und Wurzelgebilde der Bäume, auf der anderen Seite ein 50-80 Meter hoher Steilhang der eigentlich schon eher als Klippe bezeichnet werden kann. Ich merke wie mir das Blut und Adrenalin durch die Adern schießt. Der Weg auf dem ich gerade stehe scheint den Abhang hinunter zu führen, jedoch ist es keiner der sicheren Art. Ich werfe einen Blick in die Umgebung, so wies aussieht befinden wir uns in einem Kessel, eine Art Krater...Mir gehen die schlimmsten Szenarien für diesen Abstieg hier durch den Kopf, wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich es wahrscheinlich versucht. Wer weiß ob ich es geschafft hätte ohne mich zu verletzten oder nicht, wir werden es nie erfahren. Meine Schwester, zwar am Ende ihrer Kräfte aber noch nicht ganz am Limit bringt mich zur Einsicht, es ist die eine Sache seine eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzten, aber ich möchte nicht dafür verantwortlich sein wenn ihr etwas passieren sollte.Nach unten geht’s nicht weiter, also zurück nach oben und darauf hoffen, dass wir wieder auf einen Weg stoßen. Als ich von meinem aktuellen Standpunkt die Lehmwand nach oben klettere, mache ich im inneren drei Kreuze, dass ich letztes Jahr mit dem Klettern angefangen habe! Die Wand ist brüchig und es gibt nicht wirklich viele Möglichkeiten an denen ich mich Hochziehen kann. Den Abgrund hinter uns gelassen und wieder in Sicherheit drehe ich mich zu meiner Schwester um und erkläre ihr in welch brenzliger Situation wir uns gerade befunden haben und ich heute keinen anderen Weg mehr gehen werde als den, den SIE für den richten hält. Schließlich kommen wir bald wieder auf einen befestigten etwas breiteren Wanderweg der aussieht als könnte er der Haupttreck sein. Die Frage ist nur ob wir links oder rechts entlang gehen. In beiden Fällen geht’s erst mal Bergauf. Wir entscheiden uns für den rechten. die richtige Entscheidung! Über Stock und Stein geht’s kurz darauf bergab, mittlerweile hat die Dämmerung eingesetzt, nicht mehr lange und es wird zu einer Nachtwanderung. Getrieben von einer unsichtbaren Energie und immer ein Auge auf den Weg ob es ein Anzeichen auf andere Wanderer (also Plastik und Müll) gibt joggen wir den Berg hinab. Gerade als es so Dunkel wird, dass wir Taschenlampen bräuchten um den Weg vor uns zu sehen, kommt die lang ersehnte Erlösung. Wir stehen am Waldesrand, vor uns in nicht weiter Entfernung eine Bauernhütte und nochmal 200 Meter weiter unten sind in der Dunkelheit die Lichter und Umrisse eines kleinen Dorfes zu erkennen. Geschafft! Wir haben es wirklich geschafft, wir sind zurück in der Zivilisation! Die Hütte, die Abseits vom Dorf liegt ist verlassen aber die Türe steht offen. Wir legen unsere Rucksäcke vor der Türe ab und schauen uns erst mal um. Wir finden Reis, eine Kochstelle, Betten und Tee. Mehr als genug für uns. Gerade als wir damit alles zusammen gesammelt haben um ein Feuer zu machen, werden wir von einer jungen Dorfbewohnerin gestört. Sie kann nicht wirklich gut Englisch, aber kurz darauf kommt auch ihr Bruder und erklärt uns, dass das Haus seinen Eltern gehören würde und wir zwar nicht hier bleiben können, er aber gerne unser Gastgeber für die heutige Nacht wäre. Überglücklich dass es noch gute Menschen auf dieser Welt gibt und völlig erschöpft hocken wir eine halbe Stunde später in frischen Klamotten (die genauso wie der Rucksack und alles was wir mit uns haben nach Lagerfeuer stinken) in ihrer Stube und beobachten bei einer Tasse warmen Milchtee seine Schwester dabei wie sie uns etwas zu essen kocht.Finally survived! Was für ein geile Gefühl!

15.4.17 08:26, kommentieren

Welcome to the Jungle...

13.03Nach einer langen, ruhigen und erholsamen Nacht wache ich wiedermal ziemlich früh, kurz nach Sonnenaufgang auf. Unsere Gastgeber sind ebenfalls schon wach und so kommts, dass ich zu meiner allmorgentlichen Zigarette einen warmen Milchtee genießen kann während ich beim wachwerden die naheliegenden Gipfel des Himalayas genauer betrachte. Vor allem die steile Spitze des Machhapuchhre macht von hier aus einen gewaltigen Eindruck, fast schon ehrfürchtig zu betrachten wie sie zwischen all den anderen Gipfeln um ihn herum mit ihren Markanten Zügen und der weißen Haube zum Himmel streckt. Da hin sind wir auf dem Weg, zwar nicht bis nach oben aber die Richtung ist die gleiche. Die Vögel pfeifen ein fröhliches Lied während sich die Sonne in aller Ruhe ihren Weg über die Gipfel des Gebirges bahnt. Da unsere Gastgeber immer noch ein bisschen aufdringlich und doch etwas komisch sind, entscheiden wir uns so früh wie möglich aufzubrechen. Nach dem Milchtee geht’s also gleich weiter. In der Wanderkarte des Mardi-Himal-Trecks die wir uns vor ein paar Tagen gekauft haben sind mehrere Gelegenheiten zum essen auf unserer heutigen Route eingezeichnet. Also werden wir das Frühstück einfach auf einen anderen Ort verschieben. Um kurz nach 8:00 Uhr sind wir fertig gepackt und machen uns auf den Vormarsch. Der Weg führt uns zwar aus der Stadt, aber leider ohne dass wir auf ein Restaurant oder etwas vergleichbares stoßen würden. Nach einem kurzen check der Lage entscheiden wir uns gleich auf den Weg zu machen der die beiden Haupttrecks mit einander verbindet. Nicht weit von unserem Standort sollte es ein Hostel oder eine Berghütte geben, bis dahin können wir uns noch ein bisschen mehr Appetit anwandern. ☺ Wir haben ungefähr 1400 Meter Höhenanstieg bis nach Odane Hill vor uns, ein Weg den wir so gewählt haben, da es anderweitig mehr als 2000 an nur einem Tag sein würden. Es geht gleich steil los, der Pfad führt den Berg hinauf, hoffentlich sind wir richtig...hier in der dicht bewachsenen Berglandschaft gibt es zig Wege die alle gleich aussehen und alle in eine andere Richtung führen, nur ab und zu können wir uns dann etwas sicherer sein dass wir auf dem richtigen Pfad sind, dann wenn wir an einer Treppe oder an einem Schrein vorbeikommen, es gibt keine Schilder oder andere Hinweise darauf wo wir hin müssen, also folgen wir einfach unserem Instinkt. Nach einer weiteren Stunde sind wir mitten im nepalesischen Dschungel. Die Aussicht hier ist...naja Grün und Braun wie es halt im Wald so ist. Von den Bergen und der wunderbaren Aussicht die wir auf den Fotos der anderen Trecker gesehen haben, sehen wir nicht viel. Gegen Mittag kommen wir auf einen kleinen Kamm von dem aus man eine schöne Aussicht genießen kann. Hier führt auch der Hauptweg entlang wie man an dem Plastikmüll der den Pfad dekoriert gut erkennen kann. Okay, wir hatten zwar noch nichts zu essen, aber sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg, das ist doch schon mal ein Anfang. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit bis wir an einer Hütte vorbei kommen an der wir uns was warmes zum beißen genehmigen können. In der Zwischenzeit stärken wir uns mit Snickers und Crackern, dann machen wir uns auf die weiterreise. Der Magen würde schön langsam nach etwas warmen zum essen schreien, nachdem wir unsere Wanderkarte mit unserem aktuellen Standort auf Maps.me per GPS verglichen haben wird uns aber schnell klar, dass wir auf jeden fall schon zu weit im Dschungel eingedrungen sind um vor heute Nachmittag auf eine Verpflegungsstätte zu treffen. Und irgendwie passen die Angaben auf der Karte auch nicht wirklich mit dem überein was uns das Handy sagt. Laut unserem Handy sind wir mindestens 500-800 Meter über halb des eigentlichen Trecks der auf der Karte eingezeichnet ist. Naja der Weg hier geht zumindest schöner weiter als der den wir bisher hinter uns gelassen haben. Auf einer Lichtung die wir eine Stunde später erreichen und von der aus wir so etwas wie eine Hütte erspähen können, kommen uns drei nepalesische Wanderer auf ihrem Abstieg entgegen. Viel englisch können sie nicht, das einzige was wir herausfinden, dass die Hütte von der sie kommen etwa eine Stunde entfernt ist (also hier waren sie sich uneinig, der eine meinte 20 Minuten, der andere 1 Stunde...im Zweifel ist es bei den nepalesischen Zeitangaben nie verkehrt das ganze um den Faktor x zu multiplizieren, Zeit ist hier ein wirklich dehnbarer Begriff). Das muss eine andere Hütte sein als die, die wir von hier aus sehen, aber immerhin ein Lichtblick. Als wir uns dem Weg weiter hinauf kämpfen, müssen wir über Bäume klettern, vorbei an stacheligen Sträuchern und kommen immer wieder mal an einem Bachlauf vorbei an dem wir unseren Trinkwasservorrat auffüllen können. Es dauert nicht lange bis wir an der Hütte vorbeikommen die wir von der Lichtung aus erspäht haben, es stellt sich jedoch raus, dass es hier nichts zum Essen gibt, zumindest nichts das man „schnell“ mal zubereiten könnte, außer zwei Kühen ist der Unterschlupf komplett verlassen. Von hier aus führen wie schon so oft zuvor nicht nur 2 Wege sondern gleich 4 Wege weiter. Wir entscheiden uns für den der uns am besten ausschaut um weiter hinauf zu kommen. Irgendwie ist mir schon etwas mulmig als wir dann nach einer halben Stunde weiteren Marsches immer noch keine Hütte gefunden haben. Die Hütte von der die Jungs kommen müsste eigentlich schon lange hergegangen sein, sind wir noch auf dem richtigen Weg und wenn nicht wie kommen wir wieder auf den richtigen? Das ganze Stück wieder zurück laufen um dann nochmal bergauf zu laufen oder doch einfach drauf hoffen dass noch ein orientierungspunkt hergeht? Gerade als ich eine richtig steile Passage hinaufklettere und mir schwöre wenn man von da oben nichts erkennen kann wieder umzudrehen ist es endlich soweit. Oben angekommen breitet sich vor meinen Augen eine riesige Lichtung aus, in ihrer Mitte steht eine Hütte, das muss die Hütte sein die auch auf unserer Karte eingezeichnet ist. Endlich! Endlich können wir uns ein bisschen ausruhen und von hier aus den Ausblick auf die Landschaft genießen während wir auf unser Essen warten. Voller Freude und fast schon im Hopserlauf hasten wir auf die vielversprechende Unterkunft zu. „Hallo? Jemand zuhause?“ – keine Antwort...Die Türe steht offen und als ich eintrete wird mir auch klar warum keiner geantwortet hat. Die kleine Hütte die in zwei Räume aufgeteilt ist, ist leer menschenleer. In dem großen Raum der etwa 3x5 Meter misst gibt es außer einer Decke auf dem blanken Dielenboden nichts zu finden. Im Nebenraum - direkt im Anschluss zu dem geräumigen Wohnzimmer - ein 1,5x3 Meter in die länge gezogener Raum mit gepflastertem Boden ist eine Kochsstelle eingerichtet, das heist es gibt ein Eisengestell dass man über das offene Feuer stellen kann um darauf dann seine Pfanne oder seinen Topf zu platzieren (eine weit verbreitete Kochmethode hier in Asien). Also einen Herd hätten wir, blöd nur dass wir weder Topf, noch Pfanne und was noch viel wichtiger ist auch nichts zum warm machen dabei haben! Eine Selbstversorgerhütte, na super! Etwas frustriert und mit leicht angespannten Nerven drehe ich mir erst mal ein Kippchen zur Beruhigung. Bei einem genaueren Blick auf die Karte geht mir dann langsam ein Licht auf.Es gibt zwei Mardi Himal Basecamps. Das westliche (wohl das von dem die anderen erzählt haben), an dessen Weg sich immer wieder mal die Symbole für Hotels, Campingplätze und Unterstützungshütten befinden, und das südliche auf dessen Weg wir uns gerade befinden. Hier gibt es wie schon erwähnt zwei Hauptpfade, der rechte führt von einem Dorf zum anderen und hält im späteren verlauf einen Tagesanstieg von 2000 Höhenmetern für einen bereit. Der linke Weg ist in etwas leichtere Anstiegsetappen aufgeteilt, was auch der Grund ist warum wir uns für den Verbindungspfad zu dem Weg entschieden haben. Hier gibt es aber eben auch nur Symbole für Campingplätze (wir befinden uns gerade auf einem davon) und nur an zwei Stellen gibt es ein Symbol das eine „supporters shelter“ ausweist. Eine davon sollte in Odane Hill stehen, unserem eigentlichen Ziel des heutigen Tages. Nach dem Weg zu urteilen den wir in den letzten 6 Stunden hinter uns gelassen haben, müssen wir noch mindestens mit einem Marsch von 2-3 Stunden rechnen bis wir dort ankommen, na dann mal los!Von unserem aktuellen Standpunkt aus haben wir wieder einmal die Qual der Wahl, es gibt 3 Wege die von hier aus wegführen, wir entscheiden uns für den der von der Himmelsrichtung her in die richtige Richtung zu führen scheint und einen recht guten Eindruck macht. Nach einer halben Stunde auf immer schmaler werdenden Pfaden durch den durchwachsenen Urwald zücken wir unser Handy um uns zu orientieren. Laut GPS sind es noch 300 Meter Luftlinie bis zum Haupttreck wo wir dann hoffentlich auf die Hütte stoßen. Eine Stunde später trennen uns nur noch 100 Meter von unserem Ziel. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem es nur noch wichtig ist, den Haupttreck wieder zu finden. Wir glauben nicht dass wir noch auf dem „richtigen“ Weg sind, falls es den hier überhaupt gibt, ich glaube es wäre leichter aus einem Irrgarten rauszufinden als hier den richtigen Weg auszumachen. Voller Euphorie fast schon da zu sein und weil die Hände von den Dornenbüschen eh schon komplett zerkratzt sind, versuche wir uns weiter nach oben zu Kämpfen, wenn alle Stricke reißen muss man’s auch mal mit der Brechstange versuchen. Was sich so einfach anhört und bestimmt auch ohne Rucksack schon schwer genug wäre, wird hier zu einer schier Unmöglichen Aufgabe. Der Dschungel hier ist jetzt so dicht bewachsen, dass es nicht mal mehr Anzeichen auf Tierpfade gibt, die Steigung liegt irgendwo um die 25-30 Grad und obendrein bin ich auch noch für meine Schwester verantwortlich die sich bis jetzt erstaunlich gut schlägt, ich hätte eigentlich schon mit einem Nervenzusammenbruch oder ähnlichem gerechnet aber sie ist wirklich tapfer und stark! Irgendwie schon lustig. Ich habe mir immer so ein Abenteuer gewünscht, aber nicht unter diesen Umständen. Wir wollten doch nur einen schönen Treckingausflug genießen und nicht ein Survivaltraining ohne Vorbereitung hinter uns bringen. Da das weiterkommen dann wirklich unmöglich wird, der Weg wird so steil, dass man schon klettern müsste um da rauf zu kommen nur dass der Wald hier so dicht bewachsen ist, dass man nicht mal mehr einen Fuß vor den andern setzten kann ohne eine Hand voll Wurzeln auszureißen. Mit einem Blick auf die Uhr, der uns mitteilt, dass es mittlerweile 17:00 Uhr ist entscheiden wir uns dafür an dieser Stelle aufzugeben umzudrehen und darauf zu hoffen, dass wir die Campinghütte wieder finden, damit wir heute Nacht zumindest ein Dach über dem Kopf haben. Der Rückweg ist genau so aufregend wie schon der Anstieg zuvor, vor allem weil wir natürlich wieder mal keine Ahnung haben wo wir genau hinlaufen. Um kurz vor 6 erreichen wir dann eine Stelle, die mir bekannt vorkommt. Wir sind kurz vor dem Steilen Anstieg der zu der Lichtung führt, auf der die Hütte steht. Nur noch schnell die Wasserflaschen auffüllen und dann ab zu unserer Übernachtungsgelegenheit. Zwar kein 4 Sterne Welnesshotel hier aber auf jeden Fall besser als irgendwo im Dschungel zu campiern. Wenn ich auf meiner Reise bisher etwas gelernt habe, dann ist das wohl das Feuer machen, es dauert nicht lange und wir haben ein kleines Feuer in der Hütte um sie für die Nacht etwas aufzuwärmen und ein größeres Lagerfeuer draußen unter freiem Himmel.Bald wird es Dunkel und nach einem kleinen Abendessen unterhalten wir uns über schöne und vor allem lustige Geschichten von daheim. Als wir uns überlegen was wir Morgen machen wollen, fällt uns auf, dass wir selbst mit einem Guide in diesen verwinkelten Wegen wahrscheinlich nicht schneller voran gekommen wären und darüber, dass wir mit unseren geplanten 500 Euro für den Treck bis jetzt wirklich gut hinkomme weil wir eh keine Möglichkeit haben das Geld irgendwie loszuwerden. :D Nach den aufregenden Tagen gleich am Anfang unseres Trecks wollen wir morgen nur bis nach Odane Hill laufen, gibt ja jetzt nur noch eine 50:50 Chance den falschen Weg zu erwischen. Und wenn wir dann in Odane sind und in der Hütte hocken können wir uns den ganzen Tag ausruhen, die Aussicht genießen und es uns einfach gut gehen lassen. PS. Ois Guade Limmä, hoff du verstehst warum ma ned glei auf Gsichtsbuach gratuliert ham

15.4.17 08:25, kommentieren

Der Treck beginnt

11.03. Als wir uns an diesem herrlichen Sonntagmorgen mit Nacho zum Frühstücken aufmachen haben wir bereits alles dabei was wir brauchen und nachdem wir uns eine kleine Stärkung gegönnt haben kann’s dann auch gleich losgeh’n. Als Proviant für die kleinen Pausen zwischen den Teehäusern die alle 2-3 Stunden auf dem Weg liegen haben wir zur Sicherheit noch ein paar Snickers, 5 Tafeln Schokolade, Tucs und für den Notfall Wassertabletten und Eisteepulver im Gepäck. Kurzum, wir sind bestens darauf vorbereitet richtige Gipfelstürmer zu werden. ☺ Da es am ersten Tag nicht weit ist und wir auch nicht wissen wann wir wieder so gutes Frühstück bekommen lassen wir uns richtig viel Zeit und machen uns erst am Nachmittag gegen 14:00 Uhr auf die Wanderung. Der Weg ist in der Karte ganz einfach eingezeichnet, auf der Hauptstraße raus aus der Stadt und dann sollt nach ner Stunde Fußmarsch die nächste größere Stadt erreicht sein. Aber wie solls auch anders sein, wir „verlaufen“ uns schon am ersten Tag, oder besser gesagt wir nehmen den Falschen Weg aus der Stadt. Anstatt entlang der Landstraße bis nach Mardi zu wandern, von wo aus wir den Anstieg beginnen wollen, wandern wir am See entlang und merken erst nach eineinhalb Stunden dass wir auf dem falschen Weg sind um heute noch nach Mardi zu kommen. Wir haben ja genug Zeit und lassen uns davon nicht wirklich beirren, nach einem kurzen Blick auf die Karte planen wir unsere Tagestour einfach um und entscheiden uns kurzerhand für einen kleinen aber steilen Umweg nach Sarangkot um uns dort dann nach einer Unterkunft umzusehen. Auf der Karte ist ein Weg eingezeichnet, der allerdings 2km in der Richtung aus der wir gerade gekommen sind liegt. Gerade als wir uns am Anfang des steil bergaufführenden Weges befinden verlässt uns das gute Wetter und aus dem Sonnenschein der uns gerade noch den Tag erhellt hat wird innerhalb kürzester Zeit ein kleiner Sturm. Tiefschwarze Wolken und ein grausig kalter Wind ziehen über das Land. Gerade als sich der anfängliche Nieselregen in einen richtigen Schauer verwandelt, finden wir einen kleinen Unterschlupf in dem wir vor Wind und Wetter geschützt sind. Hier vertreiben wir uns die Zeit mit Kartenspielen bis der Regen etwas nachlässt. Die ca. 1000 Meter Höhenunterschied den wir am Abend als wir doch etwas durchnässt in Sarangkot ankommen hinter uns gelegt haben spüren wir auch in unseren Füßen. Erst mal eine warme Dusche und dann die nassen Klamotten zum trocknen hängen bevor wir uns was zum Essen genehmigen und ziemlich K.O. in die Falle fallen. War vielleicht nicht unbedingt der Start den wir uns für den Treck gewünscht haben, aber der Anfang ist zumindest schon mal gemacht. ☺ 12.03.Der Tag beginnt recht früh, im Zimmer ist es noch dunkel und kalt als ich aufstehe um vor der Türe eine Zigarette zu rauchen und die Sonne beobachte, wie sie langsam über die Spitzen des Himalayas Licht und Wärme auf die Südseite der Berge bringt. Unsere Klamotten sind immer noch klamm, also hänge ich sie oben auf dem Dach so über die Leine dass sie direkt von der Sonne angestrahlt werden und hoffentlich getrocknet sind bis wir weiterziehen. Zum Frühstück gibt’s ne große Kanne Kaffee für uns beide und als wir richtig wach sind bestellen wir uns Dal Bath um eine gute Grundlage für den heutigen Abstieg nach Mardi zu haben. Als wir aufbrechen sind unsere Klamotten getrocknet und es gibt nur noch wenige Stellen auf unserem Pfad, die noch nicht von der Sonne getroffen werden. Unser Weg führt uns zuerst nach Westen, durch kleine Bergdörfer, die Einwohner begrüßen uns freundlich und da heute im ganzen Land Holi gefeiert wird, dauert es nicht lange bis auch wir die Farbe ins Gesicht geschmiert bekommen. Nach eineinhalb Stunden kommen wir an die Abzweigung die uns unser Gastgeber vom Hotel beschrieben hat. Von hieran führt ein Weg über eine improvisierte Steintreppe durch die Wälder ostwärts und bergab in die etwas größere Stadt Hemja, welche nur noch 2-3 km von Mardi entfernt ist. Der Abstieg geht zum glück etwas leichter als der Aufstieg. Bei einer kleinen Pause schweifen meine Augen über einen Bambusbusch der geradezu Halme im perfekten Durchmesser hat um uns ein paar Wanderstöcke daraus zu machen. Am besten ist es wenn man sich beim Bergabgehen einfach ein bisschen treiben lässt und nicht versucht ein langsames Tempo einzuschlagen „hinabtänzeln“ würde ich sagen spart in diesem Sinne nicht nur Zeit, sondern schont auch die Gesundheit und Gelenke. Unten angekommen überqueren wir einen Fluss und kommen dann endlich auf die Hauptstraße auf der wir eigentlich Gestern schon marschieren wollten. Am frühen Nachmittag erreichen wir Hemja, von hier aus ist es noch eine knappe halbe Stunde nach Mardi. Gerade als wir aus der Stadt raus sind, verdunkelt sich der Himmel und dicke schwarze Wolken ziehen auf. Der Sturm der mit den Wolken kommt ist stark genug um die Büsche in einer solide waagerechten Haltung zu fixieren aber wenn wir schnell genug weiter gehen sollten wir es zumindest noch nach Mardi schaffen bevor es anfängt zu regnen. Hat irgendwie was mystisches die Landschaft in diesem dunklen Szenario. Die Flüsse fließen wild und kalt durch die voralpine Berglandschaft des Himalayas durch die wir marschieren. Genau rechtzeitig kurz bevor es anfängt zu Regnen hocken wir unter dem Dach eines Restaurants an der Straße und warten auf unseren Tee. Bei zwei Tassen Tee und einer Partie Neunerln (die ich wie sich das als guter Bruder gehört meine Schwester gewinnen lasse) diskutieren wir den weitern Tagesplan. Wir könnten entweder eine knappe halbe Stunden bis zu einem Hostel, (das allerdings nicht auf dem Weg liegt den wir eigentlich geplant hatten) oder eineinhalb Stunden weiter bis nach Gauchowk gehen. Dem Dorf von dem aus es einen Weg gibt, der die beiden Wege die zum südlichen Basecamp des Mardi Himal, unserem endgültigen Ziel, miteinander verbindet und den wir uns zuvor auch ins Auge gefasst haben. Gerade als wir wieder schön warm sind und die zweite Tasse geleert haben, lässt der Regen etwas nach, fast als wolle er uns ein Zeichen geben dass wir den ursprünglichen Plan verfolgen sollen. Unser Weg führt über eine Stahlbrücke auf die andere Seite des wilden Flusses, von hier aus ist auf der Karte ein Weg eingezeichnet der uns auf direktem Weg nach Gauchowk führen sollte...eigentlich. Keine Ahnung wie wir das schon wieder geschafft haben, aber eine halbe Stunde später stehen wir an einem Abgrund, 30 Meter unter uns fließt der Fluss und auf der anderen Seite erstreckt sich eine 30 Meter hohe Felswand die uns den Weg versperrt. Uns bleibt nichts anderes als umzudrehen und einen anderen Weg zu suchen. Wir finden einen Pfad, der nicht unbedingt den Anschein macht als wäre er für Trecker mit großen Rucksäcken gemacht, aber er bringt uns dann schließlich doch an unser Ziel. Über Stock und Stein geht es direkt am Fluss entlang, hier und da wenn der Pegel nicht wirklich hoch ist, geht es auch durch den Fluss und am Ende schaffen wir es dann trocken und gerade wieder mal rechtzeitig zum Sonnenuntergang in unserem Zielort anzukommen. Als wir gerade auf der suche nach einer Herberge sind werden wir von einem älteren Einheimischen Mann angesprochen, der uns auch gleich ein Bett anbietet. Er lebt mit seiner Frau auf dem kleinen Hof und seine Kinder sind alle in der Stadt oder in Übersee beim arbeiten, Platz ist also genug da. Eine halbe Stunde später hocken wir beim essen in der kleinen spartanischen Küche. Zwar nicht das beste Dal Bath aber immerhin erfüllt es seinen Zweck. Das einzige das etwas nervt ist, dass bei der ganzen Gastfreundschaft die uns zuteil wird das es das weitverbreitete Problem der Sprachbarriere in Nepal auch hier auf dem Land das selbe ist. Ich meine die Leute sind echt alle super Nett und wollen immer alles von einem wissen, ist ja irgendwie auch logisch, sie selbst haben meistens nicht die nötigen Mittel um fort zu reisen, also holen sie das Ferne anders in ihr Leben. Aber nachdem ich mittlerweile schon seit 5 Monaten oft genug damit zu tun hatte, bin ich es irgendwie leid mich abzumühen irgendwie ein Gespräch aufrecht zu erhalten, dass letzten Endes doch nur ins nichts führt. Er bemüht sich auch uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten und ist vor lauter Übereifer einfach zu aufdringlich als dass wir die Erfahrung hier auf dem Hof wirklich genießen könnten. Wir wollen einfach nur schlafen und uns ausruhen ist das denn zu viel verlangt? Wir nutzen eine kurze Pause als sich das Ehepaar selbst was zum essen macht und verkriechen uns in unser Schlafgemach. ☺

15.4.17 08:23, kommentieren