Everybody was a Vagabound

Mittlerweile wohne ich seit über einer Woche in dem Hostel, anfangs kam ich mir noch ein bisschen komisch vor, einfach so hier zu parken, zu duschen und die Küche zu nutzten ohne etwas dafür zu bezahlen, aber wie schon gesagt, man gewöhnt sich an alles, außerdem denke ich mir dass man alles mal ausprobieren muss. Wer weiß wie lange ich überhaupt noch in Christchurch bin. Wie das Leben nun mal so spielt, kommt’s dass ich mich mit dem ganzen Personal (das nur aus Backpackern besteht) und auch den anderen Gästen des Hostels so gut verstehe, dass ich nach zwei Wochen dann doch mal den Geldbeutel aufmache und einen gut ausgefeilschten Mietpreis bezahle. Die Tage hier in Christchurch vergehen eigentlich nicht besonders anderes als sonst wo auf dieser Welt wo Leute in einem Haus zusammen wohnen die tagtäglich arbeiten gehen. Morgens gibt’s nen Kaffee und ne Zigarette, dann geht’s ab in die Arbeit, zum Mittagessen und das ist das praktische wenn man einen Van mit eingebauter Küche hat, gibt’s jeden Tag was frisch gekochtes. Auf der Baustelle sind wir meistens nur zu viert. Craig unser Abrissmeister im Bagger, er bringt die Wände des Gebäudes zum Einsturz bevor Mag und ich uns dann dran machen den Schutt zu sortieren bevor er von Paul unserem Lasterfahrer mit Lemmybart abgeholt wird. Eisen und Aluminium wird verkauft, das ist im Endeffekt das Geld das rein kommt um uns Backpacker zu bezahlen. Alles was aus Stein ist wird von unserem Lemmy abgeholt um dann am Hafen den Dock aufzuschütten. Alles was übrig bleibt, also Holz, Isolierung, Plastik und der ganze kram wird wie bei uns auch dafür hergenommen um Landlöcher zu füllen. So einfach ist das. ☺Abends lernt man dann die anderen Leute im Hostel besser kennen. Es wird viel Karten gespielt meistens Uno, was mit einer runde von 3 anfängt endet oft in einer regelrechten Schlacht mit 8-10 Leuten. Die meisten die hier leben sind mindestens für einen Monat oder noch länger hier, nach und nach entsteht schon fast so etwas wie ein Kommunen leben. Am besten sind die Abendessen. Einige von uns gehen gerne mal angeln und wenn sie dann mit den Fischen zurück kommen wird für alle gekocht und gemeinsam an einer großen Tafel gegessen. Es fühlt sich einfach gut an. Wie eine große Familie sitzen wir alle zusammen, keiner von uns schaut auf sein Handy oder ist irgendwie abgelenkt, alles dreht sich ums Essen, um die Leute die mit einem am Tisch hocken und um die Gemeinschaft. Es ist einfach schön Teil eines so großen Teams zu sein. Die zwei Leute mit denen ich mich wohl am besten verstehe sind Richard und Sam, beide Franzosen. Richard ist eher der Badboy und Sam...ein meisterhafter Koch der immer für ein gutes Gespräch zu haben ist. Die meisten Leute hier sind entweder aus Frankreich oder Deutschland und alle verstehen sich bestens miteinander. Wir machen hier und da mal einen großen Ausflug, ob zum angeln ans Meer oder zum relaxen an die Heißen Quellen von Hamner Spring. Mal spielen wir Volleyball im Garten, wieder ein andres mal wird ein bisschen gedantelt wenn wir beim rauchen zusammen stehn. Ich glaube auch das ist mit ein Grund warum ich nicht wirklich viel geschrieben habe seitdem, denn was ist den an der großen und allgemeinen Situation schon so interessant dass es recht viel anders wäre als daheim? Alle sind hier um eine gute Zeit zu haben und das ist es was uns alle miteinander verbindet. Wir sind alle hier um zu leben! Und wie könnte das Leben mehr spaß machen als wenn man es mit anderen teilen kann? ☺ Nach drei Wochen des dreckwühlens auf der Baustelle ist es an der Zeit good bye zu sagen. Übers Wochenende ist das Einstiegsseminar für das Skiresort. Ich werde die Leute kennen lernen mit denen ich die nächsten drei Monate Arbeiten, leben und Party machen werde. Ich habe mir im Vorfeld schon mal Zeit genommen ein paar der vorgeschlagenen Wohnungen von unserem Manager anzusehen und mich für die Benmore Station entschieden, ein kleines gemütliches Hüttchen auf einem Bauernhof mitten im nirgendwo. Genau das richtige für ein bisschen Ruhe und Erholung wenn einem danach ist. Ich packe also meine 7 Sachen zusammen und verabschiede mich von meiner Familie im Hostel, ich bin nicht der einzige der auf dem Sprung ist, irgendwie ist gerade eine dieser Zeiten in der sich alles ein bisschen im Wandel befindet, ein paar Leute sind auf dem Sprung nach Hause, andere reisen weiter und wieder andere bleiben um die nächsten Familienmitglieder des Vagabound Hostels zu begrüßen. Aber für mich geht’s erst mal in Richtung Berge ☺

11.2.18 13:31, kommentieren

Auf nach Christchurch

In den letzten zwei Wochen in denen ich auf der Diary Farm die Kühe über den Laufsteg gescheucht habe, war mein Tagesablauf eigentlich ziemlich geregelt. Nach dem Frühmelken gings entweder nochmal ins Bett oder je nachdem wie spät es war gleich weiter in die nächste Ortschaft wo ich mir in einem kleinen Café direkt gegenüber der Bücherei und somit freiem Internet eine Kaffeekarte gekauft habe. Ich hatte mein Vorstellungsgespräch für eines der Skiresorts und naja was soll ich sagen...mit nem scheiß Gefühl geht’s meistens gut aus, das war damals in der Schule nichts anderes. ☺ Zum duschen geht’s entweder in den Fluss oder ich fahr ein bisschen weiter zum Flughafen. Da gibt’s gleich zwei Möglichkeiten eine kostenlose Dusche abzustauben wie ich von den anderen Backpackern erfahren habe. Anscheinend kann man sich im Flughafen auf den Behindertentoiletten gemütlich Zeit lassen und das scheint auch ganz normal zu sein, aber ich bevorzuge dann doch die andere Möglichkeit des Juicy Hostels. Beim ersten mal wars noch ein bisschen komisch in ein Hostel zu gehen nur um eine Dusche abzustauben, aber man gewöhnt sich ja an alles. Also spaziere ich durch den Eingang an der Rezeption vorbei, mal mit dem Handy am Ohr, mal lässig mit nem Päckchen Nüssen am oder ner Banane am essen. Alles ganz natürlich halt. Naja wie dem auch sei nachdem ich mich dann fast einen ganzen Monat auf dem Campingplatz verbracht habe und einen Haufen Backpacker auf ihrem Weg nach Hause begleitet habe bin ich dann endlich wieder flüssig und kann mich auf den Weg in die Stadt machen. Auf der Farm wurde mir ja viel Arbeit versprochen aber letzten Endes komme ich auf nicht mehr als 5 Stunden am Tag. Nachdem ich also meinen erstes Gehalt seit Monaten ausgezahlt bekomme mache ich mich noch am gleichen Tag auf den Weg in die Stadt um eine der Arbeitsvermittlungen zu besuchen die mir bereits einige Leute empfohlen haben. In der Zwischenzeit habe ich auch die Zusage von dem Skiresort bekommen also ist im Endeffekt alles nur ein Überbrückungsplan bis der Winter endlich kommt. keine zwei Tage und ich habe meinen ersten Job, zwar nur für zwei Tage zum aufräumen einer Baustelle aber immerhin ein guter Anfang. Eigentlich geht’s nur darum bei einem Neubau die verloren Schrauben und das liegengelassene Holz auszusortieren. „Alles wegschmeißen!“ Sagt der Vorarbeiter... Naja eigentlich will ich ja meinen Van ein bisschen umbauen und da können ein paar Schrauben nicht schaden. Also schmeiße ich weg was ich nicht brauchen kann und nehme mir mit was mir später dabei hilft meine Lucy etwas gemütlicher zu gestalten. Und dann kommt eh schon das Wochenende. Am Sonntag kommt ein Anruf von OneStaff meiner Vermittlungsagentur. Es gäbe da einen Job beim Abriss eines vom großen Erdbeben beschädigten Hauses bei dem sie meine Hilfe brauchen könnten. Na geht doch ganz einfach. Am Montag bin ich pünktlich um 7:30 bei der besagten Baustelle. Mit mir fängt noch ein anderer Backpacker an. Wir verstehen uns ziemlich gut und unterhalten uns über die Unterkünfte in Christchurch. Er meint dass in dem Hostel in dem er ist sowieso keiner einen Überblick hat was genau da abgeht und wer da wo wohnt, also komme ich einfach mal mit und ohne es jetzt zu wissen wird dieses Hostel für die kommenden zwei Monate mein zu Hause sein.

11.2.18 13:30, kommentieren

Endlich eine Arbeit :D

1.5.-10.5. oder so ungefähr.... Nachdem ich meine Schwester am Flughafen in Christchurch abgesetzt habe, gings für mich weiter eine halbe Stunde südlich von der Stadt habe ich auf Campermate einen free Campground gefunden. Um 5 Uhr Morgens komme ich an und falle müde ins Bett. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht weis, dass dieser Campingplatz für einen Knappen Monat mein zu Hause sein wird. Die ersten zwei Tage verbringe ich Hauptsächlich damit den Van ein bisschen zu organisieren, jetzt wo ich mehr Platz habe um mich auszubreiten, gleichzeitig versuche ich weiterhin einen Job zu bekommen. Ich gebe mir selbst eine Woche um etwas zu finden bevor ich mich an eine Arbeitsvermittlung wende oder noch weiter in den Süden fahre. Ich habe einen relativ guten Platz gefunden um Lucy zu parken. Nicht zu weit weg von den Toiletten und auch nah genug bis zum nächsten Mülleimer. Unterm Tag fahre ich gerne mal in die nächste Ortschaft um mir einen Kaffee zu gönnen und dabei meine Bewerbungen rausschicke während ich gleichzeitig den Laptop für den Abend auflade um Filme zu schauen, wobei ich relativ wenig Filme schaue, gibt es doch hier draußen jeden Abend ein Spektakel am Himmel das mindestens genauso unterhaltsam ist. Der Sternenhimmel hier so fernab vom Schuss ist einfach gewaltig. Die Milchstraße zieht ihren langen Bogen einmal über den Kompletten Nachthimmel. Ich habe immer geglaubt viele Sterne gesehen zu haben als ich damals auf dem Jakobsweg unterwegs war, aber das was sich hier jeden Abend abspielt ist der absolute Hammer. Unzählige kleine Lichter leuchten beleuchten die schwarze Decke der Nacht einige von ihnen flimmern, die anderen strahlen in grellem hellem weiß und wieder andere sind schwache lichter in der Ferne. Gigantisch!Wie es so kommen muss, habe ich irgendwann die Schnauze voll davon eine dumme Bewerbung nach der anderen für irgend einen dummen Job als Supermarktkassier oder was auch immer raus zu schicken. Auf dem Weg zu meinem Stammcafé bin ich die letzten Tage an so vielen Bauernhöfen vorbeigefahren, da wird bestimmt einer dabei sein der ein bisschen Hilfe gebrauchen kann. Außerdem könnte ich dann weiterhin auf dem Campingplatz wohnen falls ich dort nicht unterkommen kann. Noch am selben Abend als ich den Entschluss fasse mich erst mal in der nächsten Umgebung nach einem Job umzuschauen, freunde ich mich mit meinen Nachtbarscampern an. Julez und Leon aus dem Schwabenlande und Lisl die Wienerin, ein komisches aber lustiges Dreiergespann. Sie haben noch eine Woche bevor sie ausreisen und wie der Zufall so spielt Verbringen wir diese Woche mehr oder weniger gemeinsam. Unterm Tag bin ich auf Jobsuche und werde nach etlichen Absagen endlich fündig. Auf einem Bauernhof, der etwas verlassen aussieht, weil es im Endeffekt wie ich später erfahren sollte nur eine Melkstation ist, unterbreche ich gerade den Vorarbeiter mit einem seiner Angestellten in einem Gespräch. Erst werde ich komisch angeschaut als hätte ich mich irgendwo verlaufen, aber als ich dann nach einem Job frage, fangen die Augen der beiden zu glitzern an, sie hatten sich gerade darüber unterhalten, dass sie für die nächsten Wochen Verstärkung im Team benötigen und so kommt es dass ich nach über einem halben Jahr zum ersten mal wieder einen bezahlten Job habe. Ich soll am nächsten Tag um 5 Uhr Morgens wieder kommen, dann geht die Arbeit los. Lustiger weise habe ich auf dem Weg zu der Farm ein Auto am Wegrand gesehen, das mir ziemlich bekannt vorkam. Als ich dann Abends wieder zurück am Campingplatz bin erzählen mir die andern drei von ihrem heutigen Abenteuer und dass sie das Auto jetzt wahrscheinlich nicht mal mehr an andere Backpacker verkaufen können, sondern dass es auf dem Schrottplatz enden wird. Sie nehmen es mit Humor und meinten noch dass ich mir alles rausnehmen kann was ich vielleicht mal gebrauchen könnte. Und so kommt es dass ich mir nach und nach mehr Dekoration für meine Lucy zusammen schnorre. Ich weiß ja dass ich morgen früh raus muss aber irgendwie ist es nach zwei Abenden schon zum ritual geworden, dass wir zusammen kochen, uns dann in den Van verziehen weil es draußen zu kalt wird und uns da zu einer guten Obstplatte noch einen guten Film und ein zwei gute Nacht Zigarettchen reinziehen. ☺ Der Wecker klingelt, es ist 4:30 am Morgen und weils hier jetzt gerade Winter wird ist es nicht nur verdammt früh, sondern auch verdammt kalt. Irgendwie schaffe ich es dann doch mich aufzurappeln, die Zähne zu putzen und mir für die 5 Minuten Fahrt bis zur Melkstation noch ein Kippchen in die klappernden Zähne schmeiße. Chris mein Boss hat mir eine Jogginghose und Gummistiefel mitgebracht. Ganz nach dem Motto dass ich meine eigenen Sachen nicht dreckig machen muss, zuerst habe ich noch geschmunzelt aber zwei Stunden später weiß ich dann was er damit gemeint hat. Ich weiß nicht wer von euch schon mal in so einer kommerziellen Melkanlage war aber im Endeffekt lassen sich die Fakten leicht zusammenfassen. Es ist wie ein Catwalk für Kühe. In der Mitte eine Grube, in der die Saugnäpfe von der Decke hängen und rechts und links davon sind Gänge die gerade groß genug sind damit die Kühe durchgehen können. Sobald alle Kühe in Position sind kann das große Melken beginnen. Ein paar Kühe sind mit einem orangenen und ein paar mit einem Grünen Band markiert, orange steht für die vordere Zitze, grün für die hintere (diese werden dann nicht gemolken) und je nachdem ob das band am rechten oder linken Bein ist weis man dann auf anhieb was abgeht. Was man sich jetzt so einfach vorstellen kann, ist in Wirklichkeit höchste Konzentrationsarbeit. Egal was man gerade macht, man muss immer aufpassen was die Kühe um einen rum machen und sobald eine anfängt ihren Schwanz zu heben, geht man am besten so schnell man kann in die andere Richtung bevor man sich dann kurz danach einen der Feuerwehrschläuche (die in gewählten Abständen zwischen den Saugern von der Decke hängen) schnappt um die Sauerei weg zu spritzen. Wenn das ganze Spektakel dann vorüber ist, kommen die großen Feuerwehrschläuche zum Einsatz, dass war mein Lieblingspart an dem Job, denn dann hieß es für eine halbe Stunde „Wasser marsch!“. Wenn dann alles wieder sauber ist, zieht man sich Handschuhe und das Ganzkörperkondom wieder aus, wascht sich die Hände, freut sich über den Sonnenaufgang, trägt sich ins Stundenblatt ein, wechselt die Klamotten und fährt zurück zum Campingplatz um nochmal ein paar Stunden zu schlafen oder es geht gleich weiter in die Stadt um sich da einen Kaffee zu holen. Und das Beste an der ganzen Sache ist, dass es am Nachmittag wieder von vorne los geht...Jippie!! :D Die nächsten Abende verbringe ich noch mit den anderen, bis dann der Tag kommt an dem sie ihr Auto zum Schrotthändler bringen und ich sie von dort aus gleich nach der Arbeit abhole um sie zum Flughafen zu fahren. Sie haben sich noch ein bisschen Gras gekauft, dass sie mir als kleines Dankeschön für den Taxiservice und diese letzte gemütliche Woche in Neuseeland da lassen. Wie das immer so ist wenn man sich von Leuten die man unterwegs kennen gelernt hat verabschiedet, gibt es ganz verschiedene Situationen, die einen möchte man nicht mehr sehn, die anderen möchte man nicht gehen lassen und bei wieder anderen ist man sich sicher, dass man sich immer zweimal im Leben sieht. Dieser Abschied hier gehört zu der letzteren Kategorie. Ich bin mir ziemlich sicher dass ich mich mit diesen Chaoten auch in Deutschland noch einmal auf die guten alten Zeiten in Neuseeland auf eine Bierverkostung und ein paar gemütliche Stunden in einem Park oder vielleicht sogar einem Van zusammen hocken werde.

11.2.18 13:26, kommentieren

Wie oben so auch unten...oder wia war des?

17.04.- 30.04Nach einer windigen zweieinhalb stündigen Überfahrt kommen wir ausgeruht aber immer noch müde in Napier im norden der Südinsel an und machen uns erst mal auf die Suche nach einem gemütlichen Café zum Frühstücken. Nachdem wir uns um unser leibliches Wohl gekümmert haben sind wir dann auch bereit uns wieder auf den Weg zu machen. Ich habe von ein paar anderen Backpackern gehört dass es in Blenheim, nicht weit von hier immer Arbeit auf den Weinfeldern gibt. Also ist es nur fair da mal mein Glück zu probieren, ich könnte mir eine Bleibe suchen und meine Schwester kann derweil ein bisschen allein weiter reisen und die Natur auf eigene Faust erkunden. Bei den ersten beiden Weinbauern bei denen ich nach einem Job frage bekomme ich eine Absage. Von einer anderen Quelle erfahre ich dann dass es erst in etwa 3 Wochen wieder richtig los geht und Leute gebraucht werden. Also heists wohl erst mal weiterreisen. Warum nicht die Zeit genießen die wir noch zusammen haben und später wieder zurück kommen wenn das mit der Jobsuche wieder leichter wird. Ramona hat sich die letzten Tage gründlichst mit dem Lonely Planet für Neuseeland auseinander gesetzt und eine schöne Route geplant die uns für die Zeit bis zu ihrem Rückflug nach Deutschland auf der Strecke hält. Über den Norden der Südinsel, vorbei am Golden Bay geht unser Weg über die Westküste nach unten zu den Gletschern. Der Straßenbau hier ist etwas anders als wir ihn aus Deutschland kennen, da gibt’s nicht mal ne kleine Zwischenstraße die zwei Hauptstraßen miteinander verbindet, wenn man sich für einen Weg entscheidet, dann bleibt es für die nächsten paarhundert Kilometer auch genau der Weg! Es gibt zwei Möglichkeiten wie wir uns den Weg hinunter an der Westküste gestalten können, bei dem einen sind wir zwar etwas schneller und fahren durchs Landesinnere, die andere Strecke führt direkt an der Küste entlang, vorbei an den berühmten pancake rocks. Eigentlich nur um einen Blick auf diese wie Pfannenkuchen aufeinander gestapelten Felsplatten zu erhaschen entscheiden wir uns für den Küstenweg und wie sollte es auch anders kommen, wir fahren volle lotte an ihnen vorbei ohne auch nur das geringste von ihnen mit zu bekommen :D Naja...passiert. Neuseeland hat ja zum Glück noch mehr zu bieten als nur ein Naturspektakel und so genießen wir die nächsten Tage damit die Gletscher und Berge auf der Südinsel zu erkunden bevor unsere Reise wieder etwas Städtischer wird, nicht zuletzt um vielleicht auf die schnelle doch noch einen Job in einer Stadt in einem gemütlichen Kaffee oder Restaurant zu finden in dem ich für die nächsten Monate bleiben könnte. Weder in Wanaka noch in Queenstown kommen wir in dieser hinsicht auf unsere kosten, aber zumindest sind es zwei schöne Städte die es wert sind ein zwei Tage da zu bleiben und das Leben hier zu genießen, Queenstown ist ziemlich geschäftig, eine richtige Touristenstadt mit einem großen See an dem man sich mal den ein oder andern Kaffee gönnen kann. Wanaka hingegen ist sozusagen ein kleines etwas weniger hektisches Queenstown, genau wie die große Stadt auch an einem See gelegen ist es hier ruhiger und die Atmosphäre ist im allgemeinen etwas gechillter. Die Leute machen einen glücklicheren Eindruck und scheinen etwas gelassener zu sein.Wie dem auch sei. Wir verbringen viel Zeit damit uns unseren Weg durch das leben hier zu schlagen und schneller als wir schauen können ist es dann auch soweit dass wir am Ende des Monats angekommen sind. Bei einem letzten Bier, ziemlich genau dem ersten dass wir uns in einem Supermarkt gekauft haben sitzen wir auf einer Parkbank, genießen den Sonnenuntergang und machen das was wir die letzten Tage am besten gekonnt haben, wir lassen uns von Mark Uwe Kling die Story von ihm und seinem Känguru durch die kleinen Lautsprecher auf uns einprasseln. Auch wenn wir vielleicht nicht immer viel zu reden hatten, hatten wir eine unglaublich schöne Zeit miteinander und ich bin Froh dass mich meine kleine Schwester ein bisschen auf meinem Weg begleitet hat. Wie heists so schön, man muss auch mal gemeinsam schweigen können um zu wissen was man an einander hat. Unter diesem Motto machen wir uns auf dem Weg zum Flughafen, holen uns noch ein letztes Subway Sandwich und ein letztes gemeinsames Bier, dann ruhen wir uns noch ein bisschen in unserem gemütlichen Wohnzimmer aus und bald scheppert dann auch schon der Wecker der uns unsanft sagt dass es schön langsam Zeit wird sich von einander zu verabschieden. Nachdem ich meinS Schwesterherz um halb 4 Uhr Morgens am Flughafen Christchurch abgesetzt habe mache heißt es für mich nochmal 30 Minuten Autofahrt bis ich an einem freien Campingplatz etwas südlich von Christchurch ankomme und mein Nachtquartier zum ersten mal nach zwei Monaten wieder alleine aufschlage.

16.10.17 11:16, kommentieren

Rundtour auf der Nordinsel

10.04.-16.04.Es is ja jetz scho a Zeitl her seit dem letzten Eintrag und in da Zwischenzeit is a haufa passiert. Am besten werds wohl sei wenn ich erst moi da anfang wo da alte Eintrag aufhört...bei der Flucht aus Auckland. Wir ham uns also des Auto gekauft und uns dann logischerweise erst mal irgendwo an Parkplatz gesucht bevor wir drauf gekommen sind dass direkt neben unserm Hostel auch einer ist. Also Auto nochmal umparken und einfach den Parkzettel (die schaun eh alle gleich aus) drin lassen den wir eh schon gezahlt haben. An unserm letzten Abend gings dann noch mit Hannah und Alex mit denen wir uns ein Zimmer geteilt haben und die zufälligerweise auch ein Geschwisterpaar sind auf ein zwei Bier in die angesagteste Backpackerbar in ganz Auckland „Habanna Joe“. Was soll ich sagen, as Bier war zumindest billiger als sonst irgendwo, aber dafür hatt mans in dem schuppen nüchtern auch nicht ausgehalten. Die Musik vogelwild gemischt, von Elton John über Judas Priest zu Celine Dion (genau in der Reienfolge!) war alles dabei. Was ist verkehrt hier, sind die Neuseeländer wirklich so drauf aus es allen recht zumachen dass se noch nicht mal in der Lage sind eine Musikrichtung den ganzen Abend zu spielen? Naja für 3 Bierchen wars ne ganz nette Unterhaltung, aber dann gings auch wieder Richtung Heimat. Am nächsten Morgen war Ramona vor mir wach und ist gleich mal runter zum Parkplatz um n neues Ticket ins Auto zu legen, es war wsl so um 7:00 und wie solls auch anders sein war natürlich schon a schönes weißes Blatt Papier in unsere Scheibenwischer eingeklemmt. Darauf stand neben der Uhrzeit 5:30 MORGENS und der Nummer des netten Beamten der uns den Liebesbrief geschrieben hat auch eine Aufforderung den kleinen Unkostenbeitrag von 65,-$ an die Stadt zu zahlen. Aber da wir sowieso abhauen und das Auto gerade erst gekauft haben sparen wir uns die Kohle lieber und verlassen die Stadt so schnell wies geht. Wir sind schon eine ziemliche Weile unterwegs hatten Zeit uns die Landschaft anzuschauen und hier und da mal einen Kaffee zu genießen und fahren gerade an der Küstenstraße gen Norden, als plötzlich aus dem nichts diese Baustelle auftaucht. Wir hätten noch 20 Kilometer bis zu unserem eigentlichen Zielort und müssten jetzt eine gute Tour von 5 weitern Stunden Umweg nehmen...Wir entscheiden uns dann doch lieber dafür einen Alternativplan auszuarbeiten und eine komplett andere Strecke zu nehmen. Eigentlich plane ich mal wieder ziemlich wenig und überlasse die Routenplanung meiner Schwester. Ich bin immer noch ziemlich durch was as reisen und sightseeing angeht und während ich die letzten Tage damit verbracht hab mich nach nem Job umzusehn und die notwendigen bürokratischen Schritte einzuleiten um meine Führerscheine zu beantragen hatte Ramona viel Zeit sich durch den Neuseeland Reiseführer durchzuwälzen. Der grobe Plan schaut in etwa so aus dass wir uns noch eine Woche lang auf der Nordinsel umschaun und langsam aber sicher nach Wellington in den Süden fahren, von wo aus wir die Fähre auf die Südinsel nehmen. Was soll ich sagen, für meinen Teil laufen die nächsten Tage und Wochen meist ziemlich geregelt im selben Rhythmus ab, morgens erst mal nen Kaffee und dann wenn wir uns nicht gerade dazu entschieden haben etwas länger an einem Ort zu bleiben cruisen wir abwechselnd durch die weiten Landschaften Neuseelands. Auf der Nordinsel finden wir einen Campingplatz, der gleichzeitig einen Spa mit im Angebot hat. Hier ist es so schön dass wir uns für zwei Nächte einnisten. Ein Ort der Ruhe, nicht weit ab vom Schuss, aber doch weit genug draußen um die Natur in ihrer vollen Schönheit zu genießen. Riesige Farne und Palmen zieren den Beckenrand des mit heißem Thermalwasser gefüllten Pools. Abends wenn die Luft abkühlt setzt sich ein bequemer Dampf über das nasse Vergnügen und morgens Kräht der Hahn zum Sonnenaufgang. Meine Schwester hat genug power um sich einen der Wanderwege anzuschauen und die Umgebung etwas genauer zu erkunden während ich entweder mein Buch lese oder mir mit einem der Unzähligen Filme auf meiner neuen Festplatte den Verstand verneble. So n kleiner Durchhänger darf auch mal drin sein. ☺ Wir erreichen Wellington gerade rechtzeitig zum Osterwochenende und um den „Jahrhundersturm“ in der Hauptstadt zu erleben. Ich würds mal eher als mittelstarke Windböen bezeichnen was da durch die Straßen fegt, aber wer bin ich schon zu entscheiden ob es n Sturm war oder doch nur der Flügelschlag eines Schmetterlings in den Bergen von Himalaya. Eigentlich wollten wir die Fähre gleich am nächsten Tag nehmen, aber die war leider schon ausgebucht, also bleiben wir noch ein Weilchen und schauen uns für ein bisschen Geschichtskunde im Heimatmuseum um. Ein gutes hat es dann doch noch dass wir nicht gleich weiter fahren konnten, am Morgen an dem wir Wellington dann schlussendlich verlassen bin ich stolzer Besitzer einer neuseeländischen Kreditkarte und muss jetzt nur noch drauf warten, dass mir meine Steuernummer zugeschickt wird bevor ich wirklich as Arbeiten und Geldverdienen anfangen kann. Und obendrein haben wir auch noch rausgefunden, dass es an Feiertagen in Neuseeland ziemlich schwierig ist an Alkohol ran zu kommen. Im Supermarkt wird er garnicht verkauft und im Restaurant kann man nur dann was zum trinken bestellen wenn man mindestens ein Hauptgericht dazu bestellt. Verrücktes Land.

3.7.17 23:40, kommentieren